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Montags-Mantra: Ist es not-wendig?

STEINHERZOft streiten wir um Nichtigkeiten. Mit anderen, mit den Kindern. Aber wie erkennen wir das? Meine Mama hat mir dafür ein perfektes Mantra beigebracht – für alle Situationen von der Erziehung bis zur Atlantik—Überquerung.

 

Frische Unterhose anziehen! Haare kämmen! Hausaufgaben machen! Nein, mit DEM Pulli gehst du nicht zum Schulgottesdienst! 

Lange war ich der Ansicht, dass bestimmte Dinge unverrückbar wichtig seien.

Und oft waren die Kinder völlig anderer Meinung. Doch, GENAU DER Pulli. Und dann stritten wir.

Wenn meine Mama in der Nähe war, hielt sie mich in meiner “Es muss aber”-ei kurz an, schaute mich liebevoll an und fragte ernst: “Nicola, ist das notwendig? Sprich: Wendet es eine Not, welchen Pulli das Kind heute trägt?”

Ich gebe zu: In 99% der Fälle diskutierte ich über Dinge, die keine “Not wendeten”. Für mich schien es in diesem Moment lebenswichtig. Manchmal wurden die banalsten Dinge so wichtig, als gäbe es kein Morgen. Ich führte mich auf, als würden wir auf hoher See darüber diskutieren, ob wir zuerst Kuchen essen oder zuerst das 2m große Leck im Vorschiff reparieren. Dabei ging es nur um den blöden Pulli. Oder die frischen Socken.

Wenn ihr das nächste Mal auf etwas besteht und es zu Streit kommt, fragt euch: Ist es not-wendig? Wendet es eine Not? Geht die Welt jetzt unter, wenn die verknatzte Vierjährige ihren Teller nicht in die Spülmaschine räumt oder darf jeder mal einen schlechten Tag haben und wir sind einfach mal ein Vorbild in Nachsicht und Güte (Studien zeigen: Nachsichtige Mütter haben sozial kompetentere Kinder).

Wendet es eine Not, was ich gerade verlange oder bin ich einfach nur dem – sehr deutschen – Erziehungsirrtum erlegen, dass alles, was wir einmal “durchgehen” lassen, all unsere Bemühungen komplett versaut? Und dann entscheidet von dieser Warte aus.

Das heißt nicht, dass wir immer den Tisch alleine abräumen. Und dass hier nie einer frische Socken anhat. Aber es heißt, dass wir unsere Anforderungen auch der Tagesform unserer Kinder anpassen dürfen: Gute Tagesform – frische Socken; schlechte Tagesform – zieh von mir aus halt die Liebingssocken von gestern nochmal an.

Außer natürlich, wenn wir mitten auf dem Atlantik sind. Dann flicken wir zuerst das Leck!

Seid froh, wenn das Kind schreit! Wie wir mit tobenden Kleinkindern gelassen umgehen können

lonely-428380_640Viele Mütter kommen zu mir in die Beratung und sagen: „Unser zweijähriges/dreijähriges Kind schreit soviel! Früher war alles so entspannt, ich dachte, es gäbe keine Trotzphase, aber jetzt da wir umgezogen sind/ da das Geschwisterchen da ist / da ich mich getrennt habe / da es in die Kita geht, schreit und tobt es sooo viel!!!“

Der Gedanke, den wir im Gespräch hinter dieser Aussage finden, ist oft: Vorher habe ich alles richtig gemacht und das Kind war immer entspannt. Jetzt habe ich etwas falsch gemacht und das Kind schreit. Es stresst mich. Ich verliere den Kontakt zu ihm.

Hat die Mutter/ haben die Eltern etwas falsch gemacht? Grundsätzlich erstmal: Meiner Ansicht nach, schreien Kinder nicht, weil ihre Eltern „schuld“ oder „falsch“ sind. Im Gegenteil. Wenn euer Kind schreit – seid froh! Es zeigt, dass das Kind im Kern gesund ist. Wenn euer Kind in seinem Innersten Kern ein  Problem hätte, würde es schweigend in einer Ecke sitzen, von vorne nach hinten wippen und auf den Boden starren. Solange eure Kinder noch schreien, bocken, wüten und weinen, ist grundsätzlich alles „gut“.

Gut? Ja gut. Mir hat eine Kinderpsychologin einst gesagt: „Ihr Kind schreit, tobt und brüllt, wütet und weint? Wunderbar. Schlimm wird es, wenn die Kinder sich nicht mehr äußern, wenn sie alles in sich hineinfressen, wenn sie ihre Gefühl abkapseln.“

Kinder, die weinen, toben und schreien…

  • zeigen ihre Gefühle
  • fühlen ihre Gefühle
  • haben das Vertrauen, dass Mama und Papa ihre Gefühle sehen dürfen
  • haben das Vertrauen, dass sie aufgefangen werden
  • haben das Vertrauen, dass sie sein dürfen
  • „kämpfen“ um ihr Wohlbefinden, indem sie äußern, dass etwas nicht stimmt

Das heißt nicht, dass wir in Freude ausbrechen, wenn sie toben. Diese Situationen sind anstrengend und stressig. Aber sie sind der Weg unserer Kinder zu sagen, dass sie etwas von uns brauchen. Allein das zu sehen, hilft oft schon sehr viel weiter.

Das Kind will uns nicht ärgern, keine Grenzen testen und niemanden tyrannisieren – es versucht nur zu sagen „für mich stimmt hier etwas nicht“.  Vielleicht braucht es mehr Schlaf, vielleicht regelmäßigeres Essen, vielleicht weniger iPad oder mehr Mama, mehr Klarheit oder weniger Regeln, mehr Papa oder eine Erklärung, warum Opa nicht mehr da ist … – was es genau ist, das wissen die Eltern am besten oder finden es in der Beratung mit mir oder den Coaches heraus.

Wichtig ist grundsätzlich aber: Wenn das Kind schreit, ist es kein Zeichen elterlichen Versagens. Sondern ein Forschungsauftrag.
Schaut von außen drauf. Fragt euch:

  • was hat sich verändert? seit wann ist das so? in welchen Situationen ist das so?
  • was „fordert“ das Kind ein?
  • sind wir wirklich da? Haben wir gerade die Kraft?
  • was hilft meinem Kind?
  • was könnte es brauchen? (oft verlangen wir schon von Dreijährigen einfach mehr Kooperation und Belastungsfähigkeit als sie leisten können, weil besonders AP-Kinder einfach oft schon so „groß“ wirken, aber sie sind doch erst drei)
  • was ist wunderbar an meinem Kind? Was ist wunderbar an mir?
  • wie geht es mir – was brauche ich, um damit umgehen zu können?
  • wer könnte mir helfen, mich unterstützen, mir ein Ohr leihen?

Wenn ihr diese Fragen stellt, findet ihr eure Antworten. Und dann geht los und verändert die Welt. Bis zum nächsten Mal –  und das kommt bestimmt. Und dann müssen wir wieder fragen. So wachsen wir gemeinsam und das Rad dreht sich weiter.  <3 Nicola

Montags-Mantra: Plane die Pause

Die Woche geht wieder los, die Uhr tickt, die Aufgaben drängen. Genau der richtige Moment, um die Pausen zu planen. Pausen zwischen den Welten, Pausen zwischen zwei Aufgaben, Pausen für Übergänge. Für die Kinder. Aber genauso wichtig: Für uns!!

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Von zu Hause zur Kita, von Oma zu Papa, von Mama zum Babysitter – Übergänge sind oft mit Streit, „Trödeln“, Weinen und Verweigerung behaftet. Wir Eltern haben viele Strategien, was man tun kann.

Aber mal ehrlich: wie ist es mit uns Erwachsenen? Können wir einfach so von einem zum anderen wechseln? Hin und Her und immer sofort wie auf Knopfdruck in einem anderen Modus funktionieren?

Von der Arbeit raus, ins Auto, durch den Stau, in die Kita hetzen bevor sie zumacht und uns dann problemlos dem gemütlichen Tempo der Kinder anpassen, obwohl wir noch einkaufen müssen?

Viele berufstätige Eltern berichten, dass sie nach einem Arbeitstag eine halbe Stunde brauchen, um wieder zu Hause „anzukommen“, bevor sie sich der „Familienarbeit“ widmen können.

Meine eigene, wundervolle Mutter hat immer ihren „Pause-Puffer“ gehabt, in der sie nach Hause kam, 10 Minuten, in denen sie ihre Sachen wegräumte, einen Kaffee trank, kurz durch die Zeitung schaute und danach konnte sie entspannt meinem Schwall an aufregenden Erzählungen zu den Tagesereignissen folgen.

Mit Babys und kleinen Kindern sind solche Abmachungen schwierig. Aber auch hier gibt es Lösungen:

Wenn Mama oder Papa da sind, sollten sie auch wirklich „da“ sein. Wir müssen unseren Puffer also anders einplanen: Geht noch einmal um den Block, bevor ihr beim Kind ankommt. Tanzt zu einem wilden Lied, bevor ihr das Büro verlasst. Quetscht in die Pause zwischen Arbeit und Familie nicht noch Post, Bank und Einkauf, sondern lieber 10 Minuten Ruhe auf einer Wiese im Park.

Diese Minuten sind Gold wert. Sie stärken das Herz – und damit eure Beziehung, eure Lieben, euch, eure Kinder und das ganze Leben.

Einen schönen Montag für alle!

Mama-Mantra: Füttere den richtigen Wolf

Aus aktuellem Anlass nochmal hochgeholt:

„Ein alte Frau saß mit ihrer Enkelin am Feuer. Gedankenverloren sah sie in die Flammen und sagte:
„Weißt Du, manchmal fühle ich mich, als lebten in meinem Herzen zwei Wölfe. Der eine Wolf ist der Wolf der Dunkelheit, der Ängste, des Misstrauens und der Verzweiflung. Der andere Wolf ist der Wolf des Lichts, der Lust, der Hoffnung, der Lebensfreude und der Liebe. Beide Wölfe kämpfen oft miteinander.“

Die Enkelin sah sie an. „Und?“, fragte sie, „welcher der Wölfe gewinnt, Großmutter?“

„Der, den ich füttere, mein Kind“, sagte die alte Frau.“

Unsere Gedanken erschaffen unsere Realität – mittlerweile gibt es kaum eine Coaching-Seite oder Ratgeber, die uns nicht diesen Satz um die Ohren hauen. Ob diese neunmalklugen Coaches mal versucht haben, nach einem langen Tag mit zwei hungrigen Kindern im Winter durch das Berliner S-Bahn-Chaos nach Hause zu kommen? Aber wie auch immer – der Satz bleibt richtig, so wenig hilfreich das manchmal auch ist.

Es sind viele Dinge im „Außen“, die es anstrengend machen, als Eltern mit Kindern zu leben. Die nicht-artgerechte Haltung, das viele Alleinsein, die wenige Hilfe, die wir oft haben. Der Zeitdruck, zu wenig Ansprechpartner, häufig zu wenig Verständnis für die so unterschiedlichen Lebenswelten zweier Partner oder der Verwandten, eine Gesellschaft, die oft nicht auf die Bedürfnisse von Kindern ausgerichtet ist.

Aber egal wie das außen ist – in uns drin können wir immer wieder eine Entscheidung treffen.

„Füttere den richtigen Wolf.“

Die Geschichte sagt nicht, „lass den falschen Wolf verhungern“. Und damit hilft sie auch wieder, sich auf das Gute zu besinnen. Wenn der dunkle Wolf täglich auch ein paar Brocken kriegt – macht nix. Der arme Kerl ist ja auch nur ein Mensch. Wir sind nur Menschen. Ich jedenfalls bin kein Yogi, der immer nur lächelt und den „richtigen“ Wolf füttert. Ich hadere, fürchte, fluche, streite, misstraue, verzweifle. Das gehört dazu. Aber ich versuche jeden Tag möglichst viel zu lachen, zu lieben, zu scherzen, es neu zu versuchen, immer wieder den hellen Wolf zu füttern.

Und irgendwann ist der so vollgefressen und rund, dass der andere vielleicht gar nicht mehr angreifen muss, sondern sich an seinen dicken Wanst kuschelt und die Klappe hält…

Montag-Mantra: Fehler sind erlaubt

Immer wieder höre ich von Müttern und Vätern:

„Erzähle mir blooooß nicht, was Du dazu denkst, dann krieg ich immer so ein schlechtes Gewissen, was ich schon alles falsch gemacht habe.“

Und sie sind immer sehr erstaunt, wenn ich antworte:

„Das macht nichts. Man lernt sich halt Stück für Stück kennen. Die Kinder gehen ja nicht gleich kaputt.“

Es ist wie ein Slogan eines befreundeten Projektes sagt: Liebt euch selbst, liebt einander. Fehler sind erlaubt!

Love each other

Eltern sind Menschen. Eltern sind heute stärker gefordert als je zuvor. Deshalb ist es gut, sich hin und wieder zu sagen:

Fehler sind erlaubt.

Aus meiner Sicht ist nur wichtig, dass wir a) uns unseres Verhaltens und seiner Auswirkungen bewusst sind und b) Fehler zugeben.

a) ist der erste Schritt dorthin, Verhalten, das wir selbst an uns nicht mögen, zu ändern
b) ist die Möglichkeit für unsere Kinder, mit unseren Fehlern zu leben, sie als solche – und uns als Menschen – zu erkennen und es selbst ggf. sogar anders zu machen.

Bei Babys ist es wie in der Liebe: Wir lernen erst einander zu verstehen und lernen einander erst kennen. Natürlich interpretieren wir am Anfang vieles falsch oder finden schlicht nicht heraus, was das Kind hat – bei Windelfrei: Ob es jetzt wirklich muss oder nicht. Und das gehört dazu.

Es ist ein gemeinsamer Lernprozess, der zu allen Zeiten zwischen allen Eltern und Kindern stattgefunden hat. Nur, dass andere Kulturen und Zeiten mehr Hilfe hatten. Erfahrungsgemäß merkt meine Mutter drei Mal schneller als ich, wenn mein Kind Hunger hat oder mal muss. Wenn ich mir vorstelle, wie das Leben wäre, wenn ich lauter erfahrene Mütter alltäglich um mich herum gehabt hätte, die viel mehr Erfahrung haben und so viele Fehler schon gemacht haben, die ich nicht mehr machen muss (und was für tolle neue Fehler ich dann hätte wohl machen können ;)).

Und selbst wenn wir es wirklich mal verbockt haben und das Kind Symptome von Stress zeigt: Es gibt fast nichts, was man nicht mit Zuwendung, Liebe und Ruhe wieder gut machen könnte. Also -macht euch nicht verrückt! Macht euch keine Selbstvorwürfe und ärgert euch nicht – vor allem nicht über euch selbst und schon gar nicht über euer Kind. Anstrengende Kinder sind immer Benutzerfehler, aber Stress, Schuld und Selbstvorwürfe machen aus Eltern keine besseren Eltern, sondern gestresstere Eltern. Also dürfen wir uns getrost entspannen und aus dieser Warte anschauen, wo wir Fehler machen, uns sagen: „Fehler sind erlaubt“ und uns dann vornehmen, dass wir es morgen ein einziges Mal besser machen. Nur ein Mal. Das reicht.

Ein Mal am Tag nicht verschlafen, nicht das abhalten verschieben, nicht an der falschen Brust stillen (und dann eine zu volle zweite haben), nicht Tragetuch falsch binden, nicht aufbrausend sein, ruhig und passend reagieren, den Wutanfall des Kleinkindes liebevoll und geduldig begleiten… was immer es ist, freut euch, wenn ihr einen Fehler, den ihr oft macht, einmal nicht gemacht habt. Und lobt euch dafür! Am nächsten Tag wird es garantiert noch besser werden. Das funktioniert viel besser, als sich abends aufzuzählen, wo ich heute schon wieder überall nicht angerufen habe, obwohl so viel zu tun ist. Ich habe EINEN Anruf erledigt, EIN Buch vorgelesen – also prima! Gut gemacht! Weiter so :). Nicht nur unsere Kinder profitieren von positiven Rückmeldungen, auch wir – vor allem in unserem Gedankenkarussel im Kopf!

Mein Lieblingsfehler ist übrigens: Ich bin ungeduldig. Oft. Leider. Immer wieder. Und ich sage mittlerweile: „Es tut mir leid, ich bin total ungeduldig, aber ich habe es jetzt gerade innerlich so eilig, ich finde keine Ruhe, ich will einfach, dass das jetzt fertig wird!“ Und das hilft den Kids. Der Große erinnert mich sogar schon daran: „Mamaaaa… nicht so ungeduldig, du wolltest dich doch bessern!“ Was nett ist – im Gegenzug kann ich nämlich zu ihm sagen, wenn er mich irgendwohin hetzt: „Hm, mein Schatz, jetzt bist Du aber ungeduldig….ja….manchmal ist Geduld so schwer, ich kenne das.“ – und dann grinsen wir beide.

Montags-Mantra: Fasse Dich kurz!

Das Leben mit AP-Kindern – so könnte man meinen – ist eine Aneinanderreihung von erbaulichen Momenten und seliger Glücklichkeit. Nun – zumindest bei uns ist es nicht immer so. Es gibt auch Momente, in denen ich genervt, sauer, gereizt, wütend, müde oder traurig bin. Und dann meckere ich. Doof, ist aber so.

Was ich gelernt habe und was grooooß an meiner Küchentafel steht, ist: Wenn Du schon meckerst oder Dich beschwerst (oder gar belehrst): FASSE DICH KURZ!

Sätze à la: „Wieso liegt der Schulranzen schon wieder mitten im Zimmer? Das nervt! Ich will da weder drüberfallen, noch alles wegräumen! Ich habe Dir schon hundert Mal gesagt, dass ich will, dass hier jeder Verantwortung für seine Dinge übernimmt und sie wegräumt, wenn wir nach Hause kommen. Was ist daran so schwer zu verstehen? Ich finde…“

Vergesst es. Kein Kind hört länger zu als bis „Zimmer“, ganz abgebrühte (und viel angemeckerte) Kinder drehen ab „Warum“ bereits die Ohren ab. Und ich kann sie verstehen. Wie würde es sich anfühlen, wenn uns jemand so angehen würde? Ich würde mich auf dem Absatz umdrehen.

Besonders bei meinem Sohn machen lange Ausführungen absolut keinen Sinn. Auch wenn ich manchmal gerne die gesamte Philosophie von Sinn und Kraft einer Gemeinschaft hinterherschicken würde – er hört es sowieso nicht.

Also habe ich gelernt, mich freundlich und kurz zu halten.

1. Zuerst benenne ich das, was ist, ohne Bewertung: „Der Schulranzen liegt mitten im Zimmer.“

In den allermeisten Fällen ist das vollkommen ausreichend. Sehr effektiv ist auch: „Die Wohnungstür ist noch auf“ – und viel besser als das „Mach die Tür zu!“, was ja schon wieder einen Vorwurf beinhaltet.

2. Wenn das nichts hilft, sage ich klar und kurz, was ich möchte: „Räum bitte den Ranzen weg.“

In 90% der Fälle hilft das jetzt. Allerdings nur, wenn ich mich vorher vergewissert habe, dass ich nicht gerade mit Lego-Yoda um die Aufmerksamkeit meines Sechsjährigen konkurriere (bei uns ist es wie bei Star Wars: Yoda gewinnt immer).

3. Wenn jetzt immer noch nichts passiert, versuche ich erstmal herauszufinden, was beim Kind gerade los ist – oft arbeitet er innerlich an etwas, das seine Kooperationsfähigkeit blockiert. Ist dem nicht so, dann verkünde ich nochmal meine persönliche Dringlichkeit:

„Bitte. Jetzt!“

Genauso gehe ich (in meinem persönlichen Idealfall) vor, wenn mich etwas ärgert, wobei ich a) Du-Botschaften vermeide und b) möglichst sage, was ich will und nicht darüber lamentiere, was ich nicht will.

„Ich will kein Spielzeug am Tisch, ich will essen und mich ohne R2-D2s Geräusche unterhalten.“

Immer wieder erlebe ich – auch bei anderen Kindern – dass lange Vorträge überhaupt keinen Effekt haben, kurze Infos hingegen sehr viel. Vor allem, wenn das Kind genau weiß, was der Punkt ist.
Lustigerweise machen wir das bei kleineren Kindern oft automatisch, wir sagen nicht:

„Ich möchte nicht, dass du an den Herd gehst, du weißt , dass der heiß ist, dass habe ich schon 100 Mal gesagt und ich finde das wirklich nervig, dass ich das immer wieder wiederholen muss und außerdem..“
sondern wir sagen: „Vorsicht! Heiß!“

Es scheint mir – auch bei mir selbst – dass ich mit zunehmender Größe des Kindes auch längere Vorträge halte, was nicht immer sinnvoll ist. Damit soll nicht gesagt sein, dass ich später, wenn der Streit vorbei und der Ärger bei allen abgeklungen ist, mich nicht hinsetze und mit dem Kind bespreche, warum wir uns eigentlich über den doofen Ranzen gestritten haben und was heute los war, dass alles so schwer ist. Aber im Moment selbst führt Kürze bei uns eher zu Verständnis.

Daher ist mein Mantra, besonders beim Großen: Fass Dich kurz!

Puh – hab ich lange gebraucht, um das auszuführen ;)?

Allen eine gute Woche!

Buchtipp: Ausgewickelt!

Auch wenn es gerade, wie viele oft behaupten, nicht die richtige Jahreszeit ist, um die Windel-Töpfchen-Geschichte anzugehen…

Caroline Oblasser bringt jetzt ganz frisch ein Buch für alle Eltern heraus, die keine Lust mehr auf Wickeln haben – egal ob Baby, Klein- oder Kindergartenkind.

Ausgewickelt! So gelingt der Abschied von der Windel

Ausgewickelt!

Ich durfte es vorab lesen und kann Euch sagen: es ist wirklich sehr gelungen. Es lässt Windelfrei-Herzen höher schlagen und holt aber auch Eltern mit der konventionellen Wickeltasche sanft ab. Das Buch erklärt kurz und ganz selbstverständlich, wie die natürliche Sauberkeitsentwicklung vonstattengeht, worauf Windelfrei basiert und was den großen Töpfchenstartern gute Ansatzpunkte liefert.

Diese 112 Seiten bieten eine Menge Informationen und Tipps, wie man den Weg weg von den Windeln bestreiten kann. Jedoch findet eine Windelfrei-Mama mit einem kleinen Baby keine detaillierten Hilfestellungen für den Alltag. (Wer sowas sucht, der klickt sich durch den Blog und besucht Windelfrei-Treffen.)

Für mich war dieses Buch auf der einen Seite eine Rückblende, wie es mit meinem Tochterkind war und manchmal auch noch heute ist, – auch mit 5 Jahren bemerkt man den zunehmenden Harndrang im Spiel gelegentlich nicht und braucht dann Unterstützung, um flott noch trocken aus der Geschichte zu kommen – und auf der anderen Seite eine Vorausschau, wie es mit meinem Babysohn laufen kann.

Durch den humorvollen Schreibstil und den lockeren Umgang mit der Toilettenthematik hat es mir viel Spaß gemacht Ausgewickelt! zu lesen.
Und weil ich nicht die Einzige bleiben soll, die diese kurzweiligen Seiten gelesen hat, darf ich einmal Ausgewickelt! an Euch verlosen.

Verlosung!

Wenn Ihr in den Lostopf wollt, schreibt bis zum kommenden Sonntag, dem 15. Dezember 2013, bis 24 Uhr als Kommentar hier drunter, warum das Buch zu Euch nach Hause kommen soll. Mit etwas Glück habt Ihr Ausgewickelt! als kleines Weihnachtsgeschenk im Briefkasten!

Lies auch hier:
Zum Lesen, Schmökern, Lachen – Literatur und Geschenkideen
Babys sind kompetent
Rezension: „Regelschmerz ade!“, C. Oblasser

Dein Kind. Dein Herz.

Nicolas 10 Schritte zu einer erholsameren Nacht:

10. Höre nur auf dein Herz

Wenn ein schreiendes Kind unserem Herz wehtut, dann hat das einen Grund. Die These, dass man Schreien auf keinen Fall nachgeben darf, halte ich persönlich für falsch. Wer schreit, hat Recht. Wer schreit, hat ein Problem, auf das wir Eltern zu reagieren haben. Ziel muss sein, dass das Kind nachts durchschläft OHNE zu schreien. Zudem sind Erfolge mit Schlafprogrammen meist nur von kurzer Dauer. Nach wenigen Wochen bricht alles wieder zusammen und ihr seid wieder so weit wie vorher.

Daher: Hört auf euer Herz. Nicht auf Bücher. Nicht auf mich.

 

 

Die 10 Schritte zur entspannten Nacht als Download zum Ausdrucken gibt es hier.

 

Tu Dir ‚was Gutes!

Nicolas 10 Schritte zu einer erholsameren Nacht:

7. Schlaf bleibt Schlaf, egal wann

Schlaft, wann immer ihr könnt. Auch Mittags, nachmittags, morgens nochmal – holt den Schlaf nach, koste es, was es wolle. Ihr müsst nicht putzen, nicht einkaufen, nicht Mails checken. Schlaf hat Priorität.

8. Tausche Dich mit Leuten aus, die Dir guttun

„Na, meiner schläft ja schon durch!“ – hilft euch gar nicht und ist meistens auch gelogen. Sucht euch Mamas, denen es ähnlich geht und tauscht euch aus. Gebt euch keine Tipps – jedes Kind ist anders, Ratschläge sind auch Schläge. Jede Familie muss ihren Weg finden, aber es tut gut, dies mit anderen gemeinsam zu tun.

9. Trinkt Kaffee!

Nutzt Dinge, die euch guttun – schafft euch Oasen der Kraft oder, wenn es nicht anders geht, weil die Nacht noch zu anstrengend ist und ihr noch Kraft für ein paar Tage Geduld braucht: Trinkt Kaffee! Oder Tee oder Energy-Drinks oder Schokolade oder was immer euch hilft, noch weiter Geduld aufzubringen.

… und morgen kommt der letzte Schritt…

Geduld für mehr als 3 Nächte

Nicolas 10 Schritte zu einer erholsameren Nacht:

5. Wappne dich mit Geduld

Wappnet euch mit Geduld. Dies ist kein Rezept à la „in 3 Nächten schläft das Kind durch“. Fangt mit den Tipps an, BEVOR ihr total runter seid. Lasst es wachsen. Kinder entwickeln sich, entwickelt euch mit ihnen. Bleibt in Kommunikation. Wer schreit, hat Recht. Dann ist das Kind noch nicht so weit, ihr seid zu schnell oder habt tagsüber nicht genug geübt. Weitermachen, geduldig bleiben, dran bleiben. Wartet ab, bis die Mantras (z.B. Mimi schläft noch) auch nachts wirken, OHNE dass es Geschrei gibt.

6. Bleibe im Gespräch und auf der Suche

Wenn nichts hilft und das Kind nachts weiter schreit, ist vielleicht etwas anderes im Busch. Habt ihr tagsüber genug Zeit zum Kuscheln? Ist irgendetwas aufregendes gerade los? Kinder sind Seismographen, die die kleinste Erschütterung im Familiengefüge sofort anzeigen. Nachschauen.
Im Gespräch bleiben. Man kann auch einem 1-Jährigen Kind erklären, warum man möchte, dass es nachts Banane ist und Reismilch trinkt statt zu stillen. Das funktioniert vielleicht nicht nach 3 Nächten, aber es funktioniert, wenn man beharrlich und freundlich dran bleibt.

Das Wochenende naht mit Schritt 7,8 und 9 für den Sonnabend…