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Anschläge in Paris: Wie ich mit meinen Kindern über den Terror spreche

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Was tun, wenn der Terror an die Tür klopft? Die Terroranschläge in Paris sind schon für mich als Erwachsene unfassbar. Noch schlimmer wird es, wenn meine Vierjährige die Zeitung in der Hand hat, auf das Titelbild zeigt und fragt: „Mama, was machen die da?“

Ich versuche das tunlichst zu vermeiden. Bei uns läuft nie unkontrolliert das Radio mit Nachrichten, geschweige denn ein Fernseher. Aber wir haben eine Zeitung. Wenn es also passiert, dass meine Kinder „schlimme“ Bilder sehen, lüge ich. Meistens. Und das aus gutem Grund.

Wenn meine Kinder Bilder von Tragödien oder Attentaten sehen und fragen, suche ich den Mittelweg zwischen Wahrheit und Schonung: „Da hat jemand geschossen. Das passiert ganz selten und die Polizei kümmert sich bereits darum, dass es nicht wieder passiert. Es war ein Mensch, dem es sehr schlecht ging.“ „Ist jemand gestorben?“ will sie dann oft wissen. Und wenn man dem Bild nichts anderes entnehmen kann, lüge ich gnadenlos: „Nein, mein Schatz, er hat nicht getroffen.“

Warum tue ich das?

Auf meiner Reise durch die USA bekam ich eine Ausgabe des Mothering Magazine in die Hand mit einem Artikel: „How to nurture a nature lover“ – wie man kleine Naturliebhaber bestärkt. Die Autorin sprach sich nach Erfahrungen in New York dafür aus, Kinder auf keinen Fall mit Roten Listen und aussterbenden Tieren zu bombardieren, weil sie dadurch viel zu früh ein Gefühl von Machtlosigkeit und „es ist sowieso zu spät“ bekämen. Lieber sollten wir den Kindern eine Verbindung, eine Liebe zur Natur ermöglichen, damit sie sich dann später, wenn sie groß genug dafür sind, für sie einsetzen können. Mir leuchtete es ein – ich konfrontiere ja auch keine Vierjährige mit den Schwierigkeiten meiner Ehe.

Dieser Ansatz wurde jetzt bestärkt durch Tamara Brennan, PHD und Psychologin, und ihren Artikel „Talking to our Children about World Tragedies“ .

Sie schreibt:
– Erlebnisse in der der frühen Kindheit bestimmen, wie sich das Nervensystem der Kinder entwickelt
– hier bildet sich die Grundstimmung („Baseline mood“) für den Rest ihres Lebens
– Mit einem Gefühl der Sicherheit aufzuwachsen, hilft Kindern, eine bessere Grundstimmung zu entwickeln
– So können sie ihr Leben besser gestalten
– Sie werden stärker, selbstwirksamer, mutiger

Sie sagt, 7-Jährige haben ähnliche Gehirnströme wie Menschen, die jahrelang meditieren – in der Rückschau ein Gefühl der „Unschuld“. Sie argumentiert, dass wir die Kinder besser nicht mit Schreckensnachrichten aus diesem Land der Seligen reißen bevor ihr Gehirn ausgereift ist. Denn mit dem „in Ruhe“ ausgereiften Gehirn können sie die Probleme, die wir ihnen hinterlassen, viel besser lösen.

Eine Kindheit in einem Gefühl der Sicherheit heißt nicht, die Kinder in Unwissenheit zu lassen. Mein 7-Jähriger Sohn weiß mehr über das Ökosystem direkt vor unserer Tür, hinter unserem Haus und in unserem Wald als die meisten Erwachsenen, die ich kenne. Wenn dieses Ökosystem Probleme bekommt, wird er vorbereitet sein.
Er weiß viel über Kommunikation und Konfliktlösung, über Integration und Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen – einfach weil wir viele Freunde überall auf der Welt, Muslime und Christen, Buddhisten und Esoteriker um uns herum haben und wir oft darüber reden, dass jeder etwas anderes glauben darf.

Mein Kind ist informiert. Aber ich werde ihm nicht von den Anschlägen in Paris erzählen. Nicht mehr als: Da hat jemand die Kontrolle verloren, aber die Erwachsenen regeln das. Genauso wie ich beim Einsturz des Daches sagen würde: Keine Angst, mein Kind, das Dach ist kaputt, aber ich regele das.

Auf diese Weise hat er alle Werkzeuge, die er braucht. Aber er wird nicht seine Kindheit damit verbracht haben, von hungernden Kindern, sich aufheizenden Planeten und schießenden Terroristen Angst zu haben. Angst entsteht, wenn wir nichts gegen eine Gefahr tun können. Also ermächtige ich ihn erst, stärke ihn, etwas zu tun, bevor ich ihn mit Problemen konfrontiere.

Damit aus Angst Aktion und Selbstwirksamkeit entstehen können. Es ist noch viel zu tun.

/edit:
Danke für eure vielen Sichtweisen! Um es nochmal klarer zu machen, wegen der vielen Kommentare: Ich schirme die Kinder nicht komplett von der Welt ab. Aber ich gebe ihnen auch nicht die ganze Wahrheit in all ihrer beängstigenden Brutalität. Wenn sie nicht fragen – dann sage ich nichts. Wenn sie fragen, sage ich ihnen, dass etwas passier ist, aber so, dass sie sich nicht ängstigen müssen: „Es passiert, nein, es war nicht so schlimm wie man denken könnte, und ja, wir Erwachsenen regeln das.“ Das ist auch irgendwie „lügen“, aber aus meiner Sicht ist es eine notwendige und sinnvolle Abschirmung. Ich würde meinen Kindern auch nicht die Details unserer … z.B. Familien-Finanzen ausbreiten, weil es einfach zu komplex für sie ist.

Montags-Mantra: Dreh es mal um!

imag1896-web_65213_by-der_patrick_piqs_deDreh es mal um!

Wie oft ärgern wir uns – lautstark oder insgeheim – über unsere Mitmenschen: Die Frau an der Kasse hätte auch freundlicher sein können. Die Nachbarin redet immer so oberflächlich. Sabine könnte ruhig mal wieder anrufen.

Mit solchen Gedanken können wir uns den schönsten Sonnentag schlecht reden.

Das Komische ist: Das menschliche Gehirn bemerkt die negativen Dinge viel eher als die positiven. Vielleicht war das mal ein Überlebensmechanismus: „Puh, die Braunbären sind ganz schön aggressiv dieses Jahr vor dem Winterschlaf, lasst uns lieber woanders Nüsse sammeln gehen.“

Wenn das allerdings überhand nimmt, wird es zur Belastung. Negative Gedanken strengen uns viel mehr an als positive und ziehen unseren gesamten Organismus in Mitleidenschaft.

Daher mein Mantra für Tage, an denen alles doof ist:

Drehe es mal um! Hätte ich zu der Frau an der Kasse freundlicher sein können? Könnte ich der Nachbarin mal erzählen, was mich wirklich bewegt? Oder Sabine einfach mal anrufen? Hocke ich ein einem engen, stickigen Flugzeug heraus oder war ich der Sonne selten so nah wie jetzt?

Der Effekt: Ich übernehme Selbstverantwortung (ein herrliches Gefühl, die Endorphine beginnen sofort zu tanzen) und verändere etwas, indem ich mich verändere (und sie tanzen, und tanzen und tanzen!). Sofort geht es mir und meinem Gehirn deutlich besser!

Montags-Mantra: Plane die Pause

Die Woche geht wieder los, die Uhr tickt, die Aufgaben drängen. Genau der richtige Moment, um die Pausen zu planen. Pausen zwischen den Welten, Pausen zwischen zwei Aufgaben, Pausen für Übergänge. Für die Kinder. Aber genauso wichtig: Für uns!!

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Von zu Hause zur Kita, von Oma zu Papa, von Mama zum Babysitter – Übergänge sind oft mit Streit, „Trödeln“, Weinen und Verweigerung behaftet. Wir Eltern haben viele Strategien, was man tun kann.

Aber mal ehrlich: wie ist es mit uns Erwachsenen? Können wir einfach so von einem zum anderen wechseln? Hin und Her und immer sofort wie auf Knopfdruck in einem anderen Modus funktionieren?

Von der Arbeit raus, ins Auto, durch den Stau, in die Kita hetzen bevor sie zumacht und uns dann problemlos dem gemütlichen Tempo der Kinder anpassen, obwohl wir noch einkaufen müssen?

Viele berufstätige Eltern berichten, dass sie nach einem Arbeitstag eine halbe Stunde brauchen, um wieder zu Hause „anzukommen“, bevor sie sich der „Familienarbeit“ widmen können.

Meine eigene, wundervolle Mutter hat immer ihren „Pause-Puffer“ gehabt, in der sie nach Hause kam, 10 Minuten, in denen sie ihre Sachen wegräumte, einen Kaffee trank, kurz durch die Zeitung schaute und danach konnte sie entspannt meinem Schwall an aufregenden Erzählungen zu den Tagesereignissen folgen.

Mit Babys und kleinen Kindern sind solche Abmachungen schwierig. Aber auch hier gibt es Lösungen:

Wenn Mama oder Papa da sind, sollten sie auch wirklich „da“ sein. Wir müssen unseren Puffer also anders einplanen: Geht noch einmal um den Block, bevor ihr beim Kind ankommt. Tanzt zu einem wilden Lied, bevor ihr das Büro verlasst. Quetscht in die Pause zwischen Arbeit und Familie nicht noch Post, Bank und Einkauf, sondern lieber 10 Minuten Ruhe auf einer Wiese im Park.

Diese Minuten sind Gold wert. Sie stärken das Herz – und damit eure Beziehung, eure Lieben, euch, eure Kinder und das ganze Leben.

Einen schönen Montag für alle!

Stellungnahme des GKV-SV- Warum sogar die Blauwale die Hebammen brauchen

Der Streit um die Hebammen geht weiter. Ich muss gestehen – die kompletten Details entgehen mittlerweile meiner Kenntnis, wer sich dafür interessiert, findet auf Mother-hood.de Infos und Expertinnen.

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So wie ich das sehe, ist der Stand jetzt:

In der Radiosendung NDR-Redezeit sagte GKV-Mitarbeiterein Ann Marini am 8. Juli, dass wir vielleicht gar keine freiberuflichen Hebammen brauchen.

Der DHV hat eine Stellungnahme dazu gefordert.

Der GKV hat geantwortet.

Ich lese das alles und fühle mich wie im falschen Film…

Ich wünschte, ich könnte die Krankenkassenvertreter, die Ärzte und die Politiker ein Mal mit in meine Camps nehmen. An dem vormittag, an dem wir den Geburtsworkshop machen. Wenn sie nur einen Funken Empathie im Leib haben, müsste das den Streit eigentlich in Nullkommanix beenden.

Ich habe in den Camps dieses Jahr wieder so viele Geburtsgeschichten gehört, in denen die Frauen und Babys unter und nach der Geburt gestört wurden. Geburtsgeschichten, bei denen Unachtsamkeit, Personalmangel, Überlastung und Überforderung der Geburtshelfer dazu geführt haben, dass der erste Bindungsmoment nicht stattfinden konnte. Wir haben alle Tränen in den Augen gehabt, als die Frauen das erzählt haben, es tut Vater, Mutter und Baby so weh, wenn sie nicht selbstbestimmt und geborgen gebären können und die Wunden brauchen lange, lange bis sie heilen.
Keine der Frauen mit einer Hausgeburt oder Beleghebamme hat in all meiner Zeit, in der ich Workshops zum Thema Geburt leite, dermaßen traurige Geschichten erzählt (auch wenn es Einzelfälle geben mag).

Die Freiberuflichkeit von Hebammen rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu beurteilen ist daher nach meiner Meinung ein falscher Blickwinkel. Denn dann ist es nicht mehr die Selbstbestimmung, um die es geht – dass ich mir also eine Hebamme aussuchen kann, die ich mag und nicht nehmen muss, wer eben Dienst hat – sondern es geht um Finanzierung, Risiken, Versicherungsmathematik. So isses ja auch. Aber es geht doch auch noch um etwas ganz anderes!

Wir haben ALLE ein INTERESSE daran, dass die Hebammen finanziert werden, und zwar gut finanziert, weil es ein wichtiger Baustein für selbstbestimmte Geburten, sichere Bindung und gesunde Familien ist.

Sogar die Blauwale brauchen die Hebammen! Weil gesunde, heile Familien und Menschen viel besser auf den Planeten aufpassen können als wir es gerade tun (siehe hier). Was muss noch passieren, damit wir das verstehen und rückhaltlos umsetzen, egal was die Versicherungsmathematik dazu ausrechnen mag?

Wir müssen etwa dafür tun, damit in den Workshops im Jahre 2025 die Mädchen von heute schöne, selbstbestimmte, kraftvolle Geburtsgeschichten erzählen und die Tränen ihrer Eltern nur noch ein Relikt der Erinnerung in meinem ergrauten Kopf sind…

Du wünschst Dir das auch? Das können wir tun.

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Montags-Mantra: Ich kriege, was ich will!

Wenn Du haben willst, was du nie gehabt hast, musst Du tun, was du nie getan hast? Ja, aber erst musst Du wagen zu träumen, was du nie geträumt hast.jettyboat-web_190672_by-magann_piqs_deDas Leben hilft uns immer zu bekommen, was wir wollen. Es braucht nur klare Anweisungen. Aber Vorsicht: Wenn wir nicht aufpassen, plant jemand „anders“ für uns.

Eine „Vision“ oder einen „Lebensplan“ zu haben, ist für manche Menschen selbstverständlich. Sie haben das einfach. Für andere ist es etwas, das sie sich mit Büchern und Seminaren aneignen – einfach oder mühsam. Für wieder andere ist es etwas fremdes und eigenartiges, das sie entweder argwöhnisch beäugen und schlicht ablehnen.

Das Lustige daran ist: Dem Leben ist es völlig gleichgültig, wie wir zu Plänen stehen. Es liefert uns das, was wir bestellen. Punkt. Wenn wir nicht aktiv und bewusst etwas wollen, dann liefert es uns das, was wir unbewusst wollen. Denn wenn wir nicht visionieren, dann macht unser Unterbewusstsein das – und das ist nicht immer das Ergebnis, das wir haben wollen.

Das heißt: Wenn Du im Leben nicht kriegst, was du willst, musst Du die Führung übernehmen. Deine eigenen Bilder schaffen, deine eigenen Pläne machen! Hinzunehmen, was halt so passiert, klappt nur, wenn dein Unterbewusstsein mit Dir am gleichen Strang zieht. Menschen, die davon ausgehen, dass sie glücklich, zufrieden, erfolgreich und satt sind, werden sich immer wie von selbst in diese Richtung bewegen. Menschen, die gelernt haben, dass sie nichts wert sind, dass Glück nicht möglich ist oder hart erarbeitet werden muss, werden sich ebenfalls ein Leben schaffen, das genau so gestrickt ist. Nicht, weil es nicht anders geht, sondern weil sie das innere Bild haben, das es so sein muss.

Innere Bilder aber können wir ändern.

Wenn ich glaube, dass ich hart arbeiten muss, dass man nehmen muss, was man kriegt, dass unsereins sowieso keine Chance hat und dass „erst die Arbeit dann das Vergnügen“ kommt, dann wird das so sein. Dann wird das Leben mir noch so viele tolle Optionen bieten können, ich werde sie nicht sehen. Schönes Beispiel dafür, wie das funktioniert: Die meisten von uns sehen nur 10% aller Tiere im Wald – obwohl sie direkt vor unserer Nase sind. Weil wir nur sehen, was wir kennen, was wir erwarten und was wir im Kopf haben.

Aber wenn ich davon ausgehe, fest davon ausgehe, dass ich eines Tages ein eigenes Haus haben/ im Warmen wohnen / mein eigene Firma haben / einen sinnvollen Job machen werde, dann wird das so sein. Weil mein Such-Radar anders eingestellt ist. Weil ich andere Situationen schaffe, in denen sowas passieren kann. Und ja: Weil das Leben mir die richtigen Optionen bietet. Aber dazu brauche ich das Bild davon in meinem Kopf und in meinem Herzen (und wer ganz sicher gehen will: auf Papier)!

Wenn ihr kriegen wollt, was ihr wollt – und nicht nur was ihr sollt – dann macht eure eigenen Pläne. Baut in eurem Kopf ein Bild davon, wie es sein soll. So konkret wie möglich. Und dann lasst das Leben eigene Ideen haben.

Wenn Du haben willst, was du nie gehabt hast, musst Du tun, was du nie getan hast? Ja, aber erst musst Du wagen zu denken und zu träumen, was du nie geträumt hast.

In diesem Sinne – eine wunderbare Woche!

Eure Nic

(Danke für die Inspiration, L.S.!)

Montags-Mantra: Ich darf das! – 10 unkorrekte Dinge, die ich mir erlaube, seit ich Mutter bin

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Was dürft ihr? Seit ich Mutter bin, erlaube ich mir die eine oder andere, schreckliche Unkorrektheit. Politisch unkorrekt. Ökologisch unkorrekt. Sonstwie unkorrekt. Anders gehts manchmal einfach nicht…

1. Ich darf abends eine halb volle Spülmaschine anwerfen! Jawoll! Klar ist das zuviel Wasserverbrauch! Mir doch egal, mir ist wichtig, dass Morgen früh die Lieblings-Müsli-Schüsseln der Kinder wieder startklar sind. Mein echter Wasserverbrauch liegt bei über 120 Litern, mein „virtueller“ Wasserverbrauch angeblich bei 3900 Litern – da kommt es auf die 10 Liter jetzt auch nicht mehr an…

2. Ich darf eine halb leere Waschmaschine anwerfen! Auch das! Weil wir morgen die Jeans brauchen. Nein, wir haben kein Halb-Voll-Programm…

3. Ich darf morgens um 11:30 zurück ins Bett gehen und 30 Minuten schlafen bis der Große von der Schule kommt (mein Tag ist da ja auch immerhin schon 5,5 Arbeitsstunden alt, die Nacht nicht eingerechnet…)

4. Ich darf Glasflaschen in den Hausmüll werfen, weil der Weg zum Glascontainer diese Woche einfach nicht in den Plan passt. Und wenn ich zum Glascontainer gehe, darf ich die Deckel dran lassen – das übrigens höchst offiziell!

5. Ich darf Kaffee trinken Früher hatte ich die eiserne Regel, dass ein Körper, der müde ist, Schlaf braucht und ihn zu kriegen hat. Heute denke ich das Gleiche, aber wenn ich müde bin, bin ich nicht die Mutter, die ich gerne sein möchte, also: Kaffee.

6. Ich darf mir beim Telefonieren heimlich schnell die Nägel feilen. (Kein Kommentar ;))

7. Ich darf meine Einkäufe online bestellen – zur Not auch bei Rewe oder Amazon!Der Einzelhandel! Regional! Wohnortnah! Verpackungsfrei! – machen wir alles. Wenn es geht. Aber bevor wir Tiefkühlpizza essen oder es kein Geburtstagsgeschenk gibt, muss der Lieferservice ran.

8. Ich darf Tiefkühlpizza kaufen! Essen! Den Kindern geben! Ja, es gibt 1586 gesündere Alternativen, die genau so schnell sind (die hier ist von mir ;)). Egal! Manchmal hilft gegen eine erschöpfte Mutter und total genervte Kinder nur eines: „Kids! Heute gibt ehehehheeees PIZZA!“ „YEAH!!!! MAMA! Wir lieben es!!!“

9. Ich darf 5 Kilo zunehmen, 5 Kilo abnehmen oder beides gleichzeitig! Ich muss nicht tipptopp aussehen Wenn es mich glücklich macht, gut auszusehen – prima! Wenn ich drei Tage lang Tiramisu essen und im Schlabberlook herumlaufen will – lasst mich. Manchmal bin ich so einfach der bessere Mensch.

10. Ich darf es mir einfach machen:

anrufen, wenn ich jemanden vermisse, einladen, wenn ich einsam bin, fragen, wenn ich Fragen habe, sagen, wenn ich etwas nicht will, bitten, wenn ich etwas brauche und mich offenbaren, wenn ich jemanden liebe – oder nicht mehr kann. Wir haben nur ein Leben. Ich hab zwei Kinder. Ich muss das Ganze möglichst einfach halten.

Was dürft ihr? 🙂
#blogparade #wasduerftihr

Gruss zum Montag,
nica

Der COWORKING TODDLER braucht Euch JETZT!

Über ein halbes Jahr habe ich den Coworking Toddler 2014 (die ursprüngliche Idee findet Ihr hier) aktiv begleitet und vorangetrieben, dann übernahm die Juristin Sandra Runge vom Blog Smart Mama mit ihrem Mann zusammen den Staffelstab und organisierte ein Team um sich herum. Jetzt 2015 soll der Coworking Toddler endlich laufen lernen. Dazu bedarf es dringend die Crowd, also viele kleine und große UnterstützerInnen: STARTNEXT – Coworking Toddler.

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Nun ist nur noch eine Woche Zeit bis die Fundingschwelle von 15.000 € erreicht sein muss, sonst geht das Geld an alle bisherigen Unterstützer zurück. Das wäre sehr schade und das Coworking Toddler-Konzept würde in weite Ferne rücken.

Also macht mit! Auch einzelne Euros helfen zur Realisierung des Projektes! Jeder Euro lohnt sich!

DANKE!!!

Stillende Mutter in Hamburg aus dem Bus geworfen

Eine stillende Mutter musste offenbar gestern in Hamburg einen Bus verlassen:

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Bildschirmfoto 2015-06-05 um 12.52.15 Quelle: Hamburger Verkehrsverbund

Gestern erzählte eine Mutter auf Facebook, sie wurde gegen 17 Uhr mit ihrem Kind aus einem Bus der Linie 14 in Hamburg verwiesen. Der Busfahrer forderte nach dem Vernehmen die Mutter über Mikrofon auf, den Bus zu verlassen oder mit dem Stillen aufzuhören, nachdem eine ältere Dame sich beschwert hatte. Die Mutter hatte nach eigenen Angaben diskret gestillt (was immer das heißt und selbst wenn nicht – Hunger geht vor!). Der Busfahrer nötigte sie, auszusteigen. Da er sich weigerte, weiter zu fahren, wurden die anderen Mitfahrer unruhig und sie beugte sich schlussendlich diesem sozialen Druck und verließ den Bus.

Wenn das so stimmt, sind gleich mehrere Dinge unfassbar:

in den Beförderungsbedingungen des HVV (die im übrigen kaum zu finden sind, ich habe sie hier gefunden) steht unter „§ 3 Von der Beförderung ausgeschlossene Personen“, dass nur Personen ausgeschlossen werden können, die „die eine Gefahr für die Sicherheit oder Ordnung des Betriebes oder für die Fahrgäste darstellen“ – darunter Leute mit Schusswaffen. Dass man im Bus nicht stillen darf, steht dort nirgends und wäre im übrigens aus meiner Sicht auch nicht rechtens, denn:

– das deutsche Grundgesetz schützt in Artikel 6 besonders Eltern und verpflichtet uns dazu, uns um unsere Kinder zu kümmern – stillen dürfte ja wohl dazu gehören:

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. (…)
(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

– warum hat niemand für die Frau Partei ergriffen? Wie kann es sein, dass Leute ungeduldig werden, wenn ein Busfahrer eine Mutter mit Kind aus seinem Bus wirft, statt dass sie der Mutter helfen?

In anderen Ländern – von Australien über Taiwan bis zu den USA – ist öffentliches Stillen häufig sogar ausdrücklich gesetzlich geschützt.

Wie können wir alle helfen? Franzi von Einfach-Klein hat etwas zusammengestellt:

Wie könnt ihr helfen?

Ruft beim Fahrgastservice der Hochbahn an und beschwert euch, verlangt höflich und sachlich, dass dieser Fall geklärt wird und fragt nach, was die Bestimmungen der HOCHBAHN zum Stillen in ihren Fahrzeugen sind (besonders, wenn ihr Hamburger seid, Anm. Nicola).

Lasst euch weiterleiten zu den entsprechenden Stellen und klärt über die Wichtigkeit des Stillens auf, über das Stillen als euer und das Grundrecht eures Kindes.

Bittet darum, dass es öffentliche Stellungnahmen gibt und die MitarbeiterInnen und FahrerInnen der Hochbahn geschult werden über die Bestimmungen.

Keine stillende Mutter sollte diese Demütigung erfahren müssen und die Mitarbeiter sollen entsprechende Informationen bekommen, um stillende Mütter zu schützen und unterstützen, statt sie zu diskriminieren.

BITTE an euch alle: bleibt höflich, sachlich und respektvoll! Macht euch für die Sache stark, aber verletzt dabei keine Grenzen und werdet nicht beleidigend.

Ruft an oder mailt dem Fahrgastservice der Hochbahn:

HOCHBAHN Beschwerdemanagement
Telefon: 040/32 88-27 23 (Mo–Fr 9–18 Uhr),
Mail an: info@hochbahn.de

Ruft den Pressesprecher der Hochbahn an:
Pressesprecher: Christoph Kreienbaum Tel.: 040/32 88-21 21
stellv. Pressesprecherin: Christina Becker Tel. 040/32-88-2556
Mail: presse@hochbahn.de

Meine Mail an das Beschwerdemanagement:

Sehr geehrter Herr Kreienbaum, sehr geehrte Frau Becker,
sehr geehrte Damen und Herren der Hamburger Hochbahn AG,

ich schreibe Ihnen, da mir heute bekannt geworden ist, dass eine stillende Mutter gestern gegen 17 Uhr im Bus der Linie 14 vom Busfahrer diskriminiert worden ist.

Der Busfahrer forderte sie über Mikrofon dazu auf, das Stillen zu unterlassen oder den Bus zu verlassen. Als sie sich weigerte, setzte der Busfahrer minutenlang die Fahrt nicht fort. Daraufhin setzten auch die anderen Fahrgäste die Frau unter Druck und die Mama musste schließlich mit ihrem Kind den Bus verlassen.

Damit sind der Frau gleich mehrere ihrer Rechte verweigert worden:

– in den Beförderungsbedingungen des HVV steht unter „§ 3 Von der Beförderung ausgeschlossene Personen“, dass nur Personen ausgeschlossen werden können, die „die eine Gefahr für die Sicherheit oder Ordnung des Betriebes oder für die Fahrgäste darstellen“ – darunter Leute mit Schusswaffen. Dass man im Bus nicht stillen darf, steht dort nirgends und dürfte wohl kaum unter diese Definition fallen.

– das deutsche Grundgesetz schützt in Artikel 6 besonders Eltern und Mütter in der Pflege ihrer Kinder – wobei das Füttern dazugehören dürfte:

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. (…)
(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt ausschließliches Stillen in den ersten 6 Monaten, danach mit Gabe von geeigneter Beikost weiteres Stillen bis zum 2. Geburtstag und darüber hinaus solange Mutter und Kind es wollen.

Ich möchte von Ihnen wissen, ob es weitere Bestimmungen zum Stillen in Ihren Fahrzeugen gibt?
Ist es Ihren MitarbeiterInnen gestattet, einer stillenden Frau die Beförderung zu verweigern?

Ich bitte Sie, Stellung zu nehmen und Ihre Bestimmungen zum Stillen in Ihren Fahrzeugen zu erläutern. Sollte es keine Bestimmungen geben, so bitte ich Sie, schnellstmöglich im Sinne der Familienfreundlichkeit und Förderung des Stillens Regelungen zu finden, die eine Demütigung und Diskriminierung stillender Mütter verhindern.

Weiterhin bitte ich Sie, Ihr Personal zu sensibilisieren hinsichtlich des familienfreundlichen Umgangs und der Unterstützung stillender Mütter.

Meinen Artikel zu dem Vorfall können Sie hier finden: http://windelfrei.blog.de/2015/06/05/stillende-muetter-hamburg-bus-geworfen-20512536/

Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und hoffe, dass Sie den Vorfall schnellstmöglich aufklären werden.

Ich werde gern über Ihre Stellungnahme berichten.

Freundliche Grüße sendet Ihnen

Nicola Schmidt

#Antibewerbung – Stellt uns ein!

Christine Finke von Mama-arbeitet.de hatte gemeinsam mit Sarah Wies von „mutterseelenalleinerziehend“ eine großartige Idee: Eine kolossal ehrliche Bewerbung – die Antibewerbung! Los geht’s – wer sich zutraut, uns einzustellen, trete vor!
Büro

Bewerbungsanschreiben

Sehr geehrte Damen und Herren in der Personalabteilung,

auch hier: Sie wollen keine Alleinerziehenden? Großartig, dann können wir uns beiden alles weitere ersparen. Aber falls Sie darüber nachgedacht haben, Christine Finke einzustellen – denken Sie nochmal nach und nehmen Sie mich! Ich hab nämlich nur 2 Kinder und damit stehen mir zu meinen 30 Urlaubstagen nur 40 Tage Sonderurlaub wegen kranker Kinder zu 😉 (was ich sehr bedauere, drei Kinder ist eine tolle Zahl!).

Ich war noch nicht fest angestellt seit ich Kinder habe, und bin darüber nur mäßig traurig, weil nach meiner Ansicht ein 6 oder 8-Stunden Arbeitstag nur schwer mit artgerechtem Leben zu vereinbaren ist. Was nicht heißt, dass ich nicht 6,8 oder gar 12 Stunden innerhalb von 24 Stunden arbeite. Ich hab nur immer zwischendurch auch Zeit für die Kinder, was in ihrem Büro wahrscheinlich eher nicht gehen wird? Da nehmen Sie vielleicht doch lieber Christine – ich würde sicher keinen geraden Satz zu Papier bringen, wenn eines meiner Kinder gerade operiert wird. Ich habe auch schon Camps verlassen, wenn eines meiner Kinder krank war und würde das wieder tun.

Urlaub ist für meine kleine Familie überlebenswichtig, aber praktischerweise hat der Vater ja die Kinder die Hälfte der Ferien, in der Zeit kann ich dann 16 Stunden am Tag arbeiten. Denke ich. Oft bin ich dann aber so erschöpft, dass ich erstmal 4 Tage schlafen muss – das sollten Sie also einberechnen. Wenn Sie also flexibles Rund-um-die-Uhr-Homeoffice mit erschöpfungsbedingt spontanen Erholungsphasen anbieten können, bin ich sofort dabei!

Ich bin gerne international unterwegs, halte Vorträge und Seminare für mein Leben gern und hatte bisher immer begeistertes, amüsiertes, seliges Publikum. Die Kinder sind das gewöhnt und kommen sogar manchmal mit. Aber solange ich für jeden ein Air-Berlin-Schokoherz mitbringe und Oma für sie da ist, darf ich auch gerne um die halbe Welt fliegen um Windelfrei oder Social Media zu erklären. Allerdings nicht länger als zwei Tage lang – dann kriegen wir alle Heimweh.

Auch ich arbeite wie eine Löwin für meine Projekte und glaube an das, was ich tue – kennen Sie das noch? Diese Leidenschaft, wenn es einen schon morgens an den Rechner zieht, obwohl das erste Kind noch nicht sein Müsli aufgegessen hat? Gleichzeitig weiß ich, dass zu einem artgerechten Leben eben auch ein Privatleben und Soziales gehört und insofern kann ich mich als willigen Arbeitsesel nur bedingt empfehlen.

Deswegen geht es mir wie Christine – wenn Sie mich einladen, falle ich vor Erstaunen tot um. Aber wer weiß – familienfreundliche Unternehmen sind ja auf dem Vormarsch! Rufen Sie mich an! Aber bitte entweder vormittags oder nach 20:30 – sonst kann es locker sein, dass eins der Kinder ans Telefon geht.

Mit freundlichem Gruß
Windelfrei-Bloggerin
Nicola Schmidt

Kurzlebenslauf

Geboren: weit nach 1970 – also noch richtig jung ;)!
Geburtsort: Nicht hier und selbst dort nicht aufgewachsen
Familienstand: happy work in progress
Kinder: zwei, hinreißend!, eins schon weitgehend wartungsfrei, das andere noch ein wenig arbeitsintensiv
Familiäre Unterstützung: ein ganzes, artgerechtes Dorf und ich bin dankbar und glücklich darüber
Staatsangehörigkeit: Planet Erde (der blaue! und der einzige mit Schokolade!)

Beruflicher Werdegang:
Auch das falsche studiert, nämlich Politikwissenschaft, jeder weiß, dass man damit nur Taxifahrer werden kann. Ich wollte damit Diplomatin werden, stellte schon im Grundstudium fest, dass ich viel zu undiplomatisch für so einen Job bin und wurde Journalistin. Im Express-Gang studiert, sauberes Diplom mit 1 vor dem Komma, dann sofort in die Wirtschaft abgedriftet und als hoch bezahlte Computerredakteurin die erste E-Commerce-Blase beim Platzen begleitet. Es sehr bald als langweilig empfunden und nebenberuflich erst Spanisch gelernt, dann eine Schauspielausbildung absolviert. Kurze Karriere als Poetry-Slammerin und Web-TV-Moderatorin, durchs erste Kind aus dem Loop geflogen und das Bloggen angefangen. Seitdem: Bloggerin, Buchautorin, Social-Media-Trainerin.

Ausbildung und Qualifikation:
Ich hab einen Haufen Zeugnisse, die erzählen, wie gerne alle mit mir gearbeitet haben, weil ich schnell, zuverlässig und unfassbar gut gelaunt bin – allerdings ist das letzte Zeugnis einige Jahre alt, weil einem als Blogger keiner mehr Zeugnisse ausstellt.

Weiterbildung – immer! Ich schrecke vor nix zurück. Hab schon mit Stipendium in Unis gesessen und Wissenschaftsjournalismus online gepaukt, aber auch mit Schlafsack und Taschenmesser einen Monat im Wald verbracht und dort mehr gelernt als ich jemals erzählen könnte.

Interessen und Fähigkeiten: Ich kann unmögliche Deadlines einhalten, zwischen meinen Vorträgen mal eben innerhalb von 10 Wochen ein ganzes Buch schreiben und mich in Nullkommanix in jedes Thema einarbeiten. Dafür verstehe ich nicht, warum Leute Kraft und Zeit in Hierarchien verschwenden. Und ich kapiere nicht, warum nicht jeder in 4 Arbeitsstunden das Pensum von 8 Stunden schaffen kann – ich kenne lauter Mütter, die so arbeiten.

Hobbys: Neben meinem Brotjob als Autorin (den ich sehr liebe) versuche ich, mich an der Rettung des Planeten zu beteiligen, indem ich Eltern erzähle, dass es auch mit weniger Müll und mehr Zeit geht (www.artgerecht-projekt.de).

Anlagen: Nur ein Foto von meiner einer – Kinderfotos gehören meiner Meinung nach nicht ins Internet – sowie Kontoauszüge (oh mein GOTT, hey, Christine, wir können uns die Hand geben ;)) und meinen Rentenauszug der BfA, auch hier zum Gruseln.

Krieg dein Kind doch wo und wie du willst!

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Alleingeburt, Hausgeburt, Geburtshausgeburt, Klinikgeburt oder Wunschkaiserschnitt – jede Frau soll ihr Kind so bekommen, wie es für sie gut ist. „Artgerecht“ ist nicht das wo, sondern das wie: Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt angemessen betreut – aber genau das ist in Deutschland nicht mehr gewährleistet.

Okay, jetzt mal ganz in Ruhe – wo genau ist das Problem?

  • In Kliniken passiert es jetzt schon, dass die Kinder nach der Geburt auf den Boden aufschlagen, weil niemand das Kind fangen kann – die Hebamme ist gerade bei einer anderen Gebärenden, weil sie ja wegen Personalmangel drei Geburten gleichzeitig betreuen muss. Neugeborene sind erstaunlich stabil – wenn es „nochmal gut gegangen“ ist, beschweren sich die wenigsten Mütter. Hauptsache, das Kind ist gesund. Aber wenn das Kind in sechs Jahren in der Schule nicht mitkommt, geht die Krankenkasse bis zur Geburt zurück und kann die Hebamme verklagen, die kann man nämlich 30 Jahre lang zur Rechenschaft ziehen.

  • Stellt euch eine Welt vor, in der Kliniken trotz Geburtshilflicher Abteilung zu bestimmten Zeiten keine natürlichen Geburten mehr anbieten – wer zur falschen Zeit am falschen Ort ist, kriegt automatisch einen Kaiserschnitt. Warum? Wenn keine Hebamme da ist, darf der Arzt nicht entbinden, aber der Kaiserschnitt lässt sich ja auch vor 17 Uhr planen, bevor die letzte Hebamme geht.

  • Wenn eine Schwangere zu weit zu einem Geburtsort fahren muss oder der Kreißsaal bereits voll ist und sie ins nächste Krankenhaus fahren muss, kann das gefährliche Folgen für Mutter und Kind haben. Was ist zu weit? Diese Studie sagt für die Niederlande, mehr als 20 Minuten Anfahrt sind gefährlich, negative Auswirkungen. Die IGES- Studie 2010 sagt  zu“wohnortnah“
  • „So hat beispielsweise der Landesausschuss in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2001 festgelegt, dass die wohnortnahe Versorgung dann sichergestellt sei, wenn ein Krankenhaus nicht weiter als 15 bis 20 km vom Wohnort entfernt ist. In Mecklenburg Vorpommern gilt eine flächendeckende Versorgung als gewährleistet, wenn die Distanz zum nächstgelegenen Krankenhaus mit Fachabteilung Frauenheilkunde/Geburtshilfe 25km bis 30km nicht übersteigt.“ 

Allerdings sind 30 Kilometer Luftlinie sehr unterschiedlich von der Fahrtzeit her – das kann 20, kann aber auch 50 Minuten dauern. Auf dieser Karte können sich zum Beispiel Familien in NRW ansehen, wo sie ihr Kind zur Welt bringen können – und wo nicht mehr.

Wer hat eure Fragen nach der Geburt beantwortet? Genau: In Deutschland haben Mutter und Kind ein Anrecht auf die Wochenbetreuung zu Hause, bis zum 10. Tag nach der Geburt kann die Hebamme täglich vorbei kommen und auch noch 8 Wochen Postpartum nach Mutter und Kind sehen. Da wird das Neugeborene gewogen und die Neugeborenengelbsucht beobachtet, der Nabel versorgt, die Gebärmutterückbildung beobachtet und das Stillen unterstützt – Hebammenhilfe. Aber in vielen Familien ersetzt die Hebamme in diesen ersten Tagen auch einfach den Clan, die weise Frau, die man alles fragen kann und die sich auskennt. Fällt diese Betreuung weg, sind Familien in den wichtigen ersten Tagen nach der Geburt auf sich alleine gestellt – mit Schreibabys, wunden Pos, Brustentzündungen und allem, was dazu gehört. 

Niemand da, keine Zeit, kein Personal, keine Ahnung, nach der Geburt nicht ausreichend versorgt mit all den massiven Nachteilen, die das für unsere Familienleben haben kann – diese Probleme betreffen alle Schwangeren – und zwar schnurzpiepegal wo und wie sie entbinden. Krieg dein Kind wie und wo du willst – aber wir alle brauchen eine artgerechte Versorgung, vor, während und nach der Geburt.

Artgerecht ist: gute, entspannte Vorsorge, 1:1-Betreuung während der Geburt (auch bei Kaiserschnitt! Denkt an Stillen und Bonding!), intensive Wochenbettbetreuung. Warum das mit den aktuellen Plänen nicht mehr funktionieren kann, schreibt Herbert Renz-Polster ausführlich hier und einen gruseligen Blick hinter die Kulissen findet ihr bei Anja Gaca hier.

Ich selbst habe meine beiden Kinder selbstbestimmt und friedlich zur Welt bringen können. Das waren die beiden schönsten, kraftvollsten Erfahrungen in meinem Leben. Wenn ich andere Frauen von ihren traumatischen Geburten erzählen höre – egal wo und wie – habe ich Tränen in den Augen. Egal wie wir entbinden, jede Frau, jedes Kind, jeder Mann hat ein Recht auf helfende Hände, ruhige Worte und offene Ohren.

Auch Du kannst helfen!

Was wir alle tun können – jetzt und hier:

  1. …Wenn ihr keine ausreichende Betreuung oder Wochenbettbetreuung habt – meldet das!
  2. …Wenn ihr keine 1:1-Betreuung unter der Geburt bekommen konntet und eure Hebamme wegen zwei anderer Geburten in wichtigen Momenten nicht da sein konnte – meldet das! Ruft euer Gesundheitsamt (zu finden hier) und eure Krankenkasse an und schreibt einen Brief dorthin – wir brauchen belastbare Zahlen der tatsächlichen Unterversorgung.
  3. …Wenn ihr keine Auswahl mehr habt, wo ihr euer Kind zur Welt bringt, sondern die eine Klinik nehmen müsst, die halt noch da ist – dann meldet das! Wir haben das Patientenrecht auf eine freie Entscheidung, aber wenn es nur noch die eine Klinik in der Stadt gibt (wo ihr nicht hin wollt, weil die Hebammen im Kreißsaal sowieso schon total überlastet sind), dann ruft eure Krankenkasse an und beschwert euch.
  4. …Wenn ihr länger als 30 Minuten zum Geburtsort fahren müsst, weil es in eurer Nähe nichts mehr gibt – ruft euer Gesundheitsamt an (zu finden hier) und meldet diesen Missstand mit dem Hinweis, dass das potentiell gefährlich für Mutter und Kind ist.

Und ja: Wer es noch nicht getan hat: Unterschreibt die Petition und unterstützt weiter – z.B. mit eurem Netzwerk – die wirklich smarten Aktionen der Petenten:

Unterstützt die Vereine: Mother Hood und die Hebammen für Deutschland

Die Krankenkassen wollen das System so umbauen, wie es für sie am besten ist? Kommt nicht in Frage. Wir brauchen eine Geburtshilfe, wie sie für uns Eltern und unsere Kinder artgerecht ist. (Danke an Katharina und Michaela für eure Arbeit und eure Infos.)