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Montags-Mantra: Dreh es mal um!

imag1896-web_65213_by-der_patrick_piqs_deDreh es mal um!

Wie oft ärgern wir uns – lautstark oder insgeheim – über unsere Mitmenschen: Die Frau an der Kasse hätte auch freundlicher sein können. Die Nachbarin redet immer so oberflächlich. Sabine könnte ruhig mal wieder anrufen.

Mit solchen Gedanken können wir uns den schönsten Sonnentag schlecht reden.

Das Komische ist: Das menschliche Gehirn bemerkt die negativen Dinge viel eher als die positiven. Vielleicht war das mal ein Überlebensmechanismus: „Puh, die Braunbären sind ganz schön aggressiv dieses Jahr vor dem Winterschlaf, lasst uns lieber woanders Nüsse sammeln gehen.“

Wenn das allerdings überhand nimmt, wird es zur Belastung. Negative Gedanken strengen uns viel mehr an als positive und ziehen unseren gesamten Organismus in Mitleidenschaft.

Daher mein Mantra für Tage, an denen alles doof ist:

Drehe es mal um! Hätte ich zu der Frau an der Kasse freundlicher sein können? Könnte ich der Nachbarin mal erzählen, was mich wirklich bewegt? Oder Sabine einfach mal anrufen? Hocke ich ein einem engen, stickigen Flugzeug heraus oder war ich der Sonne selten so nah wie jetzt?

Der Effekt: Ich übernehme Selbstverantwortung (ein herrliches Gefühl, die Endorphine beginnen sofort zu tanzen) und verändere etwas, indem ich mich verändere (und sie tanzen, und tanzen und tanzen!). Sofort geht es mir und meinem Gehirn deutlich besser!

Albern sein: Was Eltern von Clowns lernen können

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Wir alle lachen viel zu wenig. Dabei ist Lachen so wahnsinnig gesund! Es löst Spannungen, es schafft Verbindung, es schafft Nähe. Es hilft sogar so gut, dass es Clowns gibt, die in Kinderkliniken gehen und dort mit den kleinen Patienten albern sind. Und das geht auch mit Babys!

Lachen hilft uns, einen schwierigen Alltag zu überstehen. Als mein Sohn ein Baby war, hat er viel geweint. Er war kein klassisches Schreibaby, aber nachmittags konnte ich mich darauf einstellen, dass wir 2-3 Stunden – oder mehr – mit einem quengelnden, unzufriedenen, weinenden, schreienden, nicht schlafen könnenden Baby verbrachten.

Irgendwann war ich am Ende meiner Nerven.

Die Sonne schien – ich sah es nicht mehr.
Die Menschen lächelten. Ich lächelte nicht zurück.
Mein Baby war hinreißend – ich fürchtete nur noch die Stunde, in der er mich mit seinen 120 – Düsenjet-Dezibel attackieren würde.

Eines Tages reichte es mir. Ich wollte wieder Spass am Leben haben! Und ich erschuf uns eine Regel:

1 am Tag sollten wir miteinander lachen – so richtig lachen! Bis wir uns vor Lachen in Hose und Backup machten ;).

Auch wenn die Welt für meinen kleinen Neuankömmling offenbar sehr schwierig war, ich wollte, dass er 1x am Tag mit mir lachte, 1x am Tag erfuhr, wie schön und lustig es sein könnte.

Wir verordneten uns also eine Stunde Blödsinn am Tag, ich…

…kitzelte ihn
…prustete auf seinen Bauch
…knabberte an seinen Füßen
…versteckte mich hinter Tüchern
…ließ Eier in Schüsseln fallen – flatsch!
…machte Grimassen
…ließ ihn Wasser an – & ausmachen

… und ich stellte mit Erstaunen fest, wieviel Humor schon ganz kleine Babys haben.

Ergenoß es! Ich lachte! Er lachte! Wir waren unendlich albern und auch wenn am Abend das Schreien wieder losging – wir hatten einen guten Tag gehabt.

Heute ist er sieben und wir handhaben das immer noch so. Egal wie der Tag war – 1x am Tag müssen wir richtigen Quatsch machen und uns darüber kaputtlachen (z.B. wenn mir der Kaffee in die Handtasche läuft…), sonst fehlt uns etwas. Und der Effekt? Mein Sohn ist ein herrlicher Clown, wenn die Kleine weint, stolpert er durch die Gegend und läuft gegen imaginäre Wände und ich lerne und lerne und lerne von ihm.

🙂
Eure nic

Montags-Mantra: Ich darf das! – 10 unkorrekte Dinge, die ich mir erlaube, seit ich Mutter bin

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Was dürft ihr? Seit ich Mutter bin, erlaube ich mir die eine oder andere, schreckliche Unkorrektheit. Politisch unkorrekt. Ökologisch unkorrekt. Sonstwie unkorrekt. Anders gehts manchmal einfach nicht…

1. Ich darf abends eine halb volle Spülmaschine anwerfen! Jawoll! Klar ist das zuviel Wasserverbrauch! Mir doch egal, mir ist wichtig, dass Morgen früh die Lieblings-Müsli-Schüsseln der Kinder wieder startklar sind. Mein echter Wasserverbrauch liegt bei über 120 Litern, mein „virtueller“ Wasserverbrauch angeblich bei 3900 Litern – da kommt es auf die 10 Liter jetzt auch nicht mehr an…

2. Ich darf eine halb leere Waschmaschine anwerfen! Auch das! Weil wir morgen die Jeans brauchen. Nein, wir haben kein Halb-Voll-Programm…

3. Ich darf morgens um 11:30 zurück ins Bett gehen und 30 Minuten schlafen bis der Große von der Schule kommt (mein Tag ist da ja auch immerhin schon 5,5 Arbeitsstunden alt, die Nacht nicht eingerechnet…)

4. Ich darf Glasflaschen in den Hausmüll werfen, weil der Weg zum Glascontainer diese Woche einfach nicht in den Plan passt. Und wenn ich zum Glascontainer gehe, darf ich die Deckel dran lassen – das übrigens höchst offiziell!

5. Ich darf Kaffee trinken Früher hatte ich die eiserne Regel, dass ein Körper, der müde ist, Schlaf braucht und ihn zu kriegen hat. Heute denke ich das Gleiche, aber wenn ich müde bin, bin ich nicht die Mutter, die ich gerne sein möchte, also: Kaffee.

6. Ich darf mir beim Telefonieren heimlich schnell die Nägel feilen. (Kein Kommentar ;))

7. Ich darf meine Einkäufe online bestellen – zur Not auch bei Rewe oder Amazon!Der Einzelhandel! Regional! Wohnortnah! Verpackungsfrei! – machen wir alles. Wenn es geht. Aber bevor wir Tiefkühlpizza essen oder es kein Geburtstagsgeschenk gibt, muss der Lieferservice ran.

8. Ich darf Tiefkühlpizza kaufen! Essen! Den Kindern geben! Ja, es gibt 1586 gesündere Alternativen, die genau so schnell sind (die hier ist von mir ;)). Egal! Manchmal hilft gegen eine erschöpfte Mutter und total genervte Kinder nur eines: „Kids! Heute gibt ehehehheeees PIZZA!“ „YEAH!!!! MAMA! Wir lieben es!!!“

9. Ich darf 5 Kilo zunehmen, 5 Kilo abnehmen oder beides gleichzeitig! Ich muss nicht tipptopp aussehen Wenn es mich glücklich macht, gut auszusehen – prima! Wenn ich drei Tage lang Tiramisu essen und im Schlabberlook herumlaufen will – lasst mich. Manchmal bin ich so einfach der bessere Mensch.

10. Ich darf es mir einfach machen:

anrufen, wenn ich jemanden vermisse, einladen, wenn ich einsam bin, fragen, wenn ich Fragen habe, sagen, wenn ich etwas nicht will, bitten, wenn ich etwas brauche und mich offenbaren, wenn ich jemanden liebe – oder nicht mehr kann. Wir haben nur ein Leben. Ich hab zwei Kinder. Ich muss das Ganze möglichst einfach halten.

Was dürft ihr? 🙂
#blogparade #wasduerftihr

Gruss zum Montag,
nica

Erwartungen zurückgeschraubt

Heute kommt ein Bericht von Madeleine für unsere Serie der Windelfrei-Erfahrungen:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Ich bin selbst Hebamme und eine meiner Kolleginnen im Geburtshaus hat mir davon erzählt. Ich war in der Schwangerschaft dann überzeugt davon, das zu machen und dass es auch einwandfrei funktionieren müsste. Jetzt habe ich meine Erwartungen ziemlich zurückgeschraubt und mache nachts windelfrei (da habe ich wirklich Glück, denn sie schläft zwar nicht durch, aber pinkeln tut sie erst morgens wieder, sodass sie nachts tatsächlich ohne Windeln schlafen kann) und tagsüber windelwenig: wenn ich sie zu Oma bringe oder wir unterwegs sind, trägt sie Stoffwindeln, aber wenn es warm ist, wir im Sommer viel draußen waren oder ich mit ihr alleine zuhause bin, dann bleibt sie einfach unten ohne und ich habe eine 50:50 Chance, Pipi und Kacka zu erwischen, weil sie (für mich) nicht eindeutig signalisiert. Ansonsten wische ich eben viel auf und hoffe, dass sie, sobald sie größer ist und sich mitteilen kann, dann sagt, wann sie muss und dadurch früher trocken wird als andere Wickelkinder.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
Mit zwei Wochen habe ich angefangen sie abzuhalten. Als sie drei Monate wurde, habe ich die Windeln ganz weggelassen, was nachts gut klappt, tagsüber eine 80%ige Erfolgsquote hatte (bis sie zu essen anfing) und dann mit ca. 6 Monaten angefangen sie tagsüber wieder mehr zu wickeln, weil unten ohne zu kalt war und sie anfing sich von ihren Tüchern wegzubewegen. Außerdem war sie wahrscheinlich verwirrt, dass sie manchmal in die Windel machen musste (wie bei Oma) oder wenn wir im Auto saßen, dass sie sich das Signalisieren vielleicht auch wieder abgewöhnt hat.

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Das weiß ich nicht mehr genau. Einige… 10-12? Zeitweise mussten wir die Stoffwindeln sogar trocknen ohne zu waschen, um hinterher zu kommen.

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
5-6 pro Tag, Sie ist jetzt über 7 Monate.

Nutzt Du auch andere Backups?
Ich hatte zu unserer Hochzeit vor kurzem ein Paket WWW gekauft und brauche das jetzt noch auf. Ich habe aber ein richtig schlechtes Gewissen dabei, als würde ich es mir einfach machen, auf Kosten meines Babys. Aber es ist einfach so einfach und vor allem bleiben die Klamotten trocken. Da ich die Schurwollüberhose über den Bindewindeln weglasse, weil das Paket dann so riesig ist, wird bei einem Pinkeln mittlerweile alles nass und man hat den halben Tag ein feuchtes Kind auf dem Arm, aber ich kann sie auch nicht alle halbe Stunde komplett umziehen, weil sie das ganz fürchterlich findet. Mein Mann findet die Pampers aber auch doof und meint, wir sollen bei den Stoffwindeln bleiben, deswegen werde ich jetzt Überhosen mit einer Nässesperrschicht besorgen und dafür die Bindewindeln weglassen, die man unserem kleinen Wickel-Flüchtling ohnehin kaum noch gescheit umbinden kann.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Sie ist manchmal zeitweise etwas gerötet in der Pofalte, aber da das ihre einzige Reaktion auf alles Saure ist, was wir essen, ist das verzeihlich. Ich achte darauf, ihr eine nasse Windel sobald wie möglich zu wechseln und schmiere mit einer homöopathisch zubereiteten Salbe aus Muttermilchnosoden ein. Sie ist nie wirklich richtig wund geworden.

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
Nach dem Aufwachen – morgens ja, sofort. Dann kommt auch immer etwas. Bevor sie angefangen hat mitzuessen, kam auch hier immer der einzige Stuhlgang am ganzen Tag. Mittlerweile macht sie manchmal bis zu 6 Mal am Tag groß.
Nach den Tagsüber-Schläfchen nicht immer, weil sie da selten macht. Erst wenn sie dann wieder eine Weile unterwegs war.
Beim Stillen – nein, bzw. selten. Nur wenn ich sie aufs Töpfchen setze und sie weint, ich aber weiß, dass sie muss, z.B. morgens.
Nach dem Stillen – ja, klappt auch meistens.
Nachmittags – wenn vorher meiner Erfahrung nach noch nicht genug Stuhlgang für einen Tag da war.

Wann klappt es am besten?
Morgens direkt nach dem Aufwachen. Das ist das eine Mal am Tag, das wirklich zuverlässig von Anfang an funktioniert.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Leider nur sehr kurz: wenn sie merkt, dass sie ausgezogen wird, hält sie ein, aber wenn ich es nicht sofort erkenne oder zu spät reagiere, dann pinkelt sie nach spätestens einer Minute los. Häufig merke ich es leider auch erst daran, dass sie schon drückt und setze sie dann schnell für den Rest aufs Töpfchen, aber manchmal ist sie dann so abgelenkt, dass sie dann nicht zuende macht und eine halbe Stunde später haben wir das gleiche Spiel wieder.

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?

Zuhause haben wir ein Asia-Töpfchen. Unterwegs, wenn es warm ist, die freie Natur, oder über dem großen Klo. Manchmal habe ich sie auch schon über einer schon nassen Windel abgehalten, wenn nix anderes zur Hand war.

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein?
Genauso viel Arbeit wie beim Wickeln – mindestens. Durch das häufigere An- und Ausziehen wahrscheinlich sogar mehr. Und auch die Stoffwindeln machen ja noch zusätzlich Arbeit, zumindest bei meiner Variante. (Man sollte sich auf gar keinen Fall zwischendurch mal WWW besorgen, die zeigen dann nur wie viel einfacher es sein kann. Und wenig hilfreiche Omas sagen das schon oft genug.)

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Ich merke auf jeden Fall, jetzt wo ich sie tagsüber wieder öfter wickele, dass ich weniger darauf achte, ob sie überhaupt signalisiert. Also stärkt das Windelfrei auf jeden Fall die Wahrnehmung für mein Baby. Aber ich denke, auch mit unserer halben Variante verstehen wir uns ziemlich gut und sie kommt ja spätestens dann angekrabbelt, wenn die Windel nass ist und fordert eine neue ein. Das neueste Spiel ist jetzt auch einen See auf den Boden zu machen, nachdem ich sie gerade erfolglos auf dem Töpfchen hatte und dann kichernd davon zu krabbeln. Wahrscheinlich eine Erinnerung, dass ich mich mehr mit ihr beschäftigen soll.

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Kauft euch keine Wegwerfwindeln, so einfach es auch scheinen mag. Und lasst euch nicht reinreden: Wenn ich meiner Mutter nicht nachgegeben hätte und die Kleine bei ihr nur noch in Windeln hatte (und mir das für unterwegs nicht auch angewöhnt hätte), hätte sie sich das Signalisieren vielleicht nicht so verwirrt abgewöhnt, wer weiß?

Vielen Dank für Deinen Bericht über Euren Weg!

Mut zum Windelfei-Start!

Heute berichet Ira von ihren ersten Windelfrei-Erfahrungen:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Ich habe von Freunden davon erfahren und konnte das Abhalten ihres Sohnes live miterleben. Das hat mich sehr beeindruckt. In der Schwangerschaft habe ich dann viel zum Thema gelesen (Bücher, Internet), einen Windelfrei-Kurs besucht und bin zu Windelfrei-Treffen gegangen – das alles hat mich schon vor der Geburt stark motiviert. Allerdings wollte ich mich nicht unter Druck setzen direkt nach der Geburt zu beginnen und wollte erstmal alles auf mich zukommen lassen.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
10 Tage

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Ca. 8-10 Stoffwindeln

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
Wir machen Teilzeit-Windelfrei mit derzeit 4-5 Mullwindeln in 24h (0-4 nachts und 0-4 über den Tag). Unsere Kleine ist 10 Wochen alt.

Nutzt Du auch andere Backups?
Bislang fast nur Mullwindeln. Entweder als Einlage in Windel-Überhosen aus Wolle oder im Windelgürtel, gefaltet mit Snappi ohne Überhose, als Einlage in der Wollaspa, einfach so unterm nackten Kind, etc. Wenn ich mutiger bin (meist tagsüber zu Hause), nehme ich Frottee-Unterhosen.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Einmal vor dem Start, seitdem nicht mehr

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
– immer nach dem Aufwachen
– in den ersten Wochen immer beim Stillen, jetzt meist davor oder danach (wenn sie nach dem Stillen nicht einschläft). Wenn sie nach dem Aufwachen sofort stillen und nicht erst abgehalten werden möchte, halte ich sie auch jetzt noch während des Stillens ab
– immer nach längeren Phasen gesteigerter Aufmerksamkeit (z.B. spielen, Besuch)

Wann klappt es am besten?
Nach dem Aufwachen.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Max. 5 min schätze ich. Nach dem Aufwachen oder zwischendurch beim Stillen muss es manchmal aber auch sehr schnell gehen…

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Asia-Töpfchen für die Nacht, für unterwegs und beim/nach dem Stillen damit ich nicht aufstehen muss bzw. schnell reagieren kann und. Funktioniert bei uns gut. Zu Beginn hatten wir verschieden große Plastikschüsseln, über die wir sie abgehalten haben, was deutlich anstrengender und umständlicher war als sie jetzt einfach (gut gestützt) aufs Asia-Töpfchen zu setzen. Ansonsten nutzen wir zu Hause meist das Waschbecken oder den Garten.

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein?
Am Anfang brauchte es viel Zeit, Geduld und Aufmerksamkeit, nun spielt es sich immer besser ein, so dass ich es jetzt als weniger Arbeit empfinde und für die Zukunft (über die gesamte Wickeldauer gesehen) auch so einschätze. Allerdings habe ich bislang nur mit Stoff gewickelt, was ja viele auch als arbeitsintensiver empfinden als WWW. Im Vergleich zu WWW kann ich also nichts sagen.

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Da wir relativ früh begonnen haben, weiß ich nicht so recht wie es anders gewesen wäre. Ich bin aufmerksam(er) für die Bedürfnisse meiner Tochter und es ist ein gutes Gefühl diese nun auch in Bezug auf ihre Ausscheidungen (zumindest oft) wahrnehmen und darauf eingehen zu können.

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Für mich war/ist wichtig…
1. Mut zum Start: hätten wir nicht schon sehr früh mit einer Pilzinfektion zu tun gehabt, hätte ich Windelfrei (vor allem nachts) wohl deutlich später begonnen. So habe ich mich erst gar nicht richtig ans Wickeln als „das Normale“ gewöhnt und bin jetzt froh darüber.
2. Geeignetes Equipment: z.B. Asia-Töpfchen (brachte deutliche Entspannung nachts, unterwegs und beim Stillen), Babystulpen, die Wollaspa-Hose aus dem abhala (jetzt, da es kälter wird, vor allem für unterwegs…)
3. Austausch und (mentale) Unterstützung: Freunde, Windelfrei-Kurs, Windelfrei/artgerecht-Treffen, Partner, Internet, Literatur…

Vielen lieben Dank!

Es ist schwer ohne Austausch!

Und noch eine Julia schrieb mir ihren Windelfrei-Erfahrungsbericht für unsere Serie:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Ich habe während meiner Schwangerschaft in einer Eltern-Zeitschrift einen Bericht einer Mutter von einem windelfreien Baby gelesen. Ich fand die Idee interessant und bin dann auf das Buch „Es geht auch ohne Windeln?“ gestoßen. Damals habe ich mich entschieden, es zu versuchen. Dennoch habe ich mir Stoffwindeln besorgt, um mich nicht gleich zu überfordern.
Als dann das Baby da war, habe ich überhaupt keinen Gedanken mehr an Windelfrei verschwendet. Alles war so neu und anstrengend. Allein das Stillen war eine Herausforderung. Das Thema Stoffwindeln war auch bald gegessen, da mir mein Sohn mit dem riesen Windelpaket total leid tat. Ich habe dann Wegwerfwindeln benutzt.
Windelfrei fiel mir erst wieder im Juni ein, als das Wetter sehr warm wurde und mir auffiel, dass mein Baby in der Windel schwitzte.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
Er war damals 2 Monate alt.

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Ich habe wirklich sehr viele Wegwerfwindeln verbraucht. Oft bis zu 10 Stück und mehr in 24 Stunden.

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
Das ist sehr unterschiedlich. Ich würde sagen, 4-6 Stück in der Woche. Mein Kind ist nun 5 Monate alt.

Nutzt Du auch andere Backups?
Auf die Idee, eine Windel zu benutzen und trotzdem abzuhalten bin ich eigentlich nie gekommen. Ich habe die WWW meistens benutzt, wenn ich die Nase voll von dem Herumgepinkle hatte und keine sauberen Mulltücher mehr hatte.
Mein Sohn lag meistens auf seinem Lammfell mit einem Mulltuch zwischen den Beinen.
Doch dieses Backup war für die stets steigende Urinmenge bald nicht mehr genug. Das Abhalten funktionierte dann allerdings bald besser, als er mehr bei pro Abhalten dafür aber weniger oft pinkelte.
Nachts liegt er mit dem Unterkörper auf einem Lammfell, auf dem ein Moltontuch liegt. Versäume ich ihn abzuhalten, geht das Wechseln des Tuchs ganz schnell.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Er hat immer mal wieder einen roten Po. Den hatte er mit Windel und hat ihn auch jetzt noch. Einmal hatte er kleine Bläschen beim After. Verdammte Schokolade. Da fing ich dann auch an, ihn nachts abzuhalten, damit die Bläschen schneller abheilen.

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
nach dem Aufwachen – funktioniert nicht immer. Entweder ich bin zu früh, zu spät oder er muss nach einem kurzen Nickerchen überhaupt nicht.
beim Stillen – machen wir nicht. Wir stillen fast immer im Liegen. Früher habe ich ihm ein Mulltuch zwischen die Beine geklemmt. Das ist aber jetzt zu wenig. Wir liegen auf besagtem Lammfell mit Moltontuch. Bis vor kurzem hat er dabei immer gepinkelt. Ich habe dann kurz unterbrochen, das Tuch gewechselt und weiter gestillt. Nun ist es so, dass ihm das wohl auf die Nerven ging, und er beim Stillen nicht mehr pinkelt. Wahnsinn, oder?
nach dem Stillen – er pinkelt meist 15 Minuten nach dem Stillen 3 Mal im 15-Minuten-Takt. Ist aber tageszeitabhängig.
Wenn ich ihn aus dem Tragetuch nehme, halte ich ihn immer ab.

Wann klappt es am besten?
Mein Baby signalisiert meistens nur sehr subtil bzw. kann das leise Stöhnen auch etwas anderes bedeuten. Ich habe sehr lange nach Signalen gesucht, bis ich auf dieses Stöhnen aufmerksam geworden bin. Wobei ich sagen muss, dass ich sehr auf akustische Signale fixiert bin.
Jedenfalls ist mir aufgefallen, dass es mit der Intuition am besten klappt, wenn wir irgendwo zu Besuch sind, ich neben ihm auf seiner Decke sitze und mich jemanden unterhalte. Ich bin also ganz nah bei ihm, konzentriere mich aber eigentlich auf etwas anderes. Und dann kommt die Eingebung und ich liege meistens richtig, was im Alltag nicht immer der Fall ist.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Mittlerweile oft 5 Minuten oder länger. Manchmal kann er noch gar nicht richtig, wenn er signalisiert hat.

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Wir haben anfangs eine kleine Plastikwanne benutzt. Ich habe auch Asiatöpfchen gekauft, die ich aber für Buben unpraktisch finde, da man den Penis immer etwas runterdrücken muss, damit das Pipi im Topf landet. Außerdem kommt oft beim Pinkeln auch hinten was mit und dafür ist der Topf zu klein.
Mittlerweile benutze ich die Abwäsche in der Küche. Mein Mann fand das anfangs ekelig, aber unser Badezimmer liegt nicht zentral genug. In der Nacht benutzen wir eine alte Babybadewanne, da sein Pipistrahl sehr weit reicht.
Ich habe nun auch ein herkömmliches Töpfchen gekauft und möchte es bald benutzen, wenn er mit Hilfe halbwegs darauf sitzen kann.

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein: eher mehr Arbeit ? eher weniger Arbeit ? genauso viel Arbeit wie beim Wickeln?
Ich denke, es ist genauso viel Arbeit als das Wickeln. Abhalten geht schneller, dafür macht man es öfter. Die Wäscheberge, die ich wasche, sind wahrscheinlich in etwa die gleichen, als wenn ich mit Stoffwindeln wickeln würde.
Wobei meinem Sohn in den ersten Lebensmonaten dauernd die Wegwerfwindeln ausgeronnen ist. Ich musste ihn oft 5 Mal am Tag umziehen, auch nachts passierte das regelmäßig. Dabei war die Windel aber keineswegs überfüllt.

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Ich nehme ihn als selbstständige Persönlichkeit mit starkem Willen war.
Ich hatte anfangs auch das Problem zu erkennen, wann er müde war und in den Schlaf begleitet werden wollte. Meist war er dann schon so müde, dass er sehr schlecht einschlief. Durch das genaue Beobachten und Suchen nach Signalen, habe ich eher wahrgenommen, wann er müde wurde und konnte gleich reagieren. Das hat uns das Leben sehr erleichtert.

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Nicht aufgeben! Es wird besser! Sie pinkeln nicht ihr Leben lang alle 5 Minuten.
Ich glaube, ich habe ihn durch zeitweiliges Windeltragen verwirrt. Unbewusst habe ich das dann als eine Auszeit für mich gesehen und seine Signale ausgeblendet? das hat ihn bestimmt verwirrt. Vielleicht setzt er deshalb seine Signale nicht verlässlich.
Ich habe ihn vielleicht manchmal zu oft abgehalten. Das passiert mich auch jetzt noch, dass ich ihn abhalte und er muss gar nicht.
Mein größtes Problem war und ist noch immer: Ich kenne keine anderen Windelfrei-Mütter! Das Leben ist schwer ohne Austausch.

Vielen lieben Dank!

Jede Familie hat ihre Windelfrei-Version!

Julia schrieb mir: „Ich war lange Zeit insgeheim enttäuscht, dass es bei uns nicht so richtig geklappt hatte mit dem windelfrei. Aber mittlerweile bin ich ganz froh über unsere Version. Als ich gelesen habe, dass es euer Anliegen ist, zu zeigen wie unterschiedlich wir alle Windelfrei handhaben, hat mich das motiviert diesen Bericht zu schreiben und beizutragen.

Und hier kommt ihr Windelfrei-Erfahrungsbericht für unsere Serie:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Eine Freundin hatte mir davon erzählt. Damals fand ich das ein bisschen merkwürdig… Als ich schwanger wurde, erinnerte ich mich daran und las Ingrid Bauers „Es geht auch ohne Windeln!“. Ich war nach den ersten Seiten hellauf begeistert und nahm mir fest vor, es mit meinem Baby auszuprobieren.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
Ca. 2 Wochen alt. Vorher hatte ich immer den Schlüssellaut gemacht, wenn ich merkte, dass gerade etwas Größeres in die Windel ging. Als mein Sohn etwa 14 Tage alt war, habe ich begonnen ihn immer beim Wickeln (nach dem Stillen) über eine kleine Plastikschüssel zu halten und machte dabei den Signallaut. Das war auf Anhieb erfolgreich. Pipi ging weiterhin in die Windel, das habe ich zunächst nicht versucht abzuhalten, denn es war Winter und mein Neugeborenes war gepuckt ? da wollte ich ihn nicht ständig an- und ausziehen. Im dritten Monat habe ich ihn dann öfters nackig auf eine Decke gelegt und beobachtet. Ansonsten habe ich in dieser Phase Stoffwindeln ohne Überhose oder MokoMini verwendet. Ich konnte jedoch nach drei Wochen des Übens immer noch keine eindeutigen Signale fürs Pipi erkennen. Das hat mich frustriert. Als ich darüberhinaus noch merkte, dass es mich zunehmend nervte und störte, alle paar Minuten meine Tätigkeit zu unterbrechen, um zu probieren, ob er muss oder ihn umzuziehen, habe ich Windelfrei erst mal sein gelassen. Das Abhalten des großen Geschäftchens habe ich jedoch beibehalten – bis heute. Ich merke es entweder an seinem Signal (er pupst) oder ich weiß es einfach von seinem Rhythmus her (der ändert sich allerdings interessanterweise mit jedem Entwicklungsschub). Ich lasse ihn täglich für mindestens 20 Minuten ohne Windel spielen und krabbeln; eventuelle Pfützen werden aufgewischt. Für uns ist das eine gute Lösung so. Wir praktizieren zwar nicht das klassische Windelfrei? (Gibt es das überhaupt?) Mein Sohn trägt die meiste Zeit des Tages und nachts Wegwerfwindeln. Aber er muss zumindest nicht in seinen Exkrementen liegen und ich muss ihn nicht daraus befreien.

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Das weiß ich nicht mehr genau. Schätzungsweise 5-8 Stoffwindeln.

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
5-6 Wegwerfwindeln; 7 Monate alt

Nutzt Du auch andere Backups?
Nein.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Nein.

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
Für das große Geschäft immer vormittags und meistens nach den Mahlzeiten. Sein Rhythmus ist nicht immer gleich. Meistens weiß ich es einfach durch den zeitlichen Abstand zum letzten Abhalten oder durch sein Signal oder weil ich den Eindruck habe, es könnte mal soweit sein. Es ist aber auch mindestens ein Abhalten am Tag dabei, wo ich mich getäuscht habe und wir beide feststellen, dass er nicht muss. Das gehört auch dazu.

Wann klappt es am besten?
Vormittags und nach den Mahlzeiten.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
5 Minuten mindestens (beim großen Geschäft).

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Anfangs hielt ich ihn über einer kleinen Plastikschüssel über den Wickeltisch ab. Seit etwa dem 6. Monat macht er in die Toilette (wir setzen uns gemeinsam in verkehrter Richtung drauf).

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein?
Definitiv weniger Arbeit! Ich muss nicht mit mehreren Feuchttücher am Popo herumwischen, bis alles entfernt ist. Auch entfällt (nicht zu unterschätzen!) der Gestank beim Wickeln oder aus dem Mülleimer.

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Ja, die Kleinen sind in Bezug auf ihre Ausscheidungsbedürfnisse viel bewusster, als ich vorher gedacht hatte und gar nicht so hilflos. Mit ein bisschen Unterstützung kann mein Kind ganz gut für sich sorgen und muss nicht einmal für kurze Zeit in einer vollen miefigen Windel liegen. Ich habe das Gefühl, dass mein Sohn dadurch irgendwie würdevoller Baby sein kann.

Es fiel mir in den ersten Wochen nach der Geburt zunächst schwer, den intuitiv-fühlenden, mütterlichen Teil in mir zu finden und ihm Raum zu geben. Windelfrei zu probieren hat mir dabei wesentlich geholfen. Das Achtgeben auf subtile Signale, die mein Kind aussendet… diese andere Art von Kommunikation… und dieses schöne Gefühl, wenn es mit dem Abhalten wieder einmal geklappt hat. Freude über unsere Verbundenheit.

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Wie man an meinem Beispiel doch ganz gut sehen kann: Der Weg ist das Ziel. Klar hatte ich mir das in der Schwangerschaft alles ganz einfach vorgestellt: Wenn ich einmal die Signale kenne, dann halte ich mein Kind einfach immer ab und es braucht keine Windeln. Dann habe ich mich auf den Weg gemacht und es war doch nicht so unkompliziert für mich, wie ich es mir gewünscht habe. Aber auf dem Weg hat sich eine für uns passende Version entwickelt und vor allem habe ich ganz viel über mich selbst und mein Kind gelernt. Es gibt kein Ganz oder Garnicht! Mit Windelfrei lassen sich ganz individuelle Wege finden. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert!

Vielen herzlichen Dank!

Ich kann es mir nicht vorstellen, es anders zu machen…

Ein neuer Windelfrei-Erfahrungsbericht für unsere Serie!

Hier kommt Annettes Bericht:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Ich habe noch vor der Schwangerschaft einen artgerecht-Flyer im Berliner Veganz gefunden, ab Schwangerschaft im Netz recherchiert und mir dann das „Es geht auch ohne Windeln“ –Buch gekauft.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
Sofort nach Rückkehr aus dem KKH mit 4 Tagen. Am 6. Tag hat es bereits in die Schüssel gemacht – das war eine Freude! Aber richtig windelfrei habe ich nie gemacht, immer mit Backup, sodass ich das Wort „windelfrei“ irreführend finde.

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
5-10? Keine Ahnung, war noch im Krankenhaus (das Stoffwindeln benutzt).

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
4-7 Stoffeinlagen pro Tag, mittlerweile auch Damenbinden (sind billiger), 1 WWW pro Nacht, fast 11,5 Monate alt. Allerdings haben wir wesentlich weniger Windeln gebraucht, bis es mit 9,5 Monaten krabbeln lernte. Seit dem 6. Monat war es bis auf gelegentliche Unfälle (vorwiegend während eines Infektes) quasi trocken, was das große Geschäft angeht. Pipi ging vielleicht 2-3 mal am Tag in die Windel. Wir hatten aber auch ganze komplett trockene Nachmittage, wenn ich sehr drauf geachtet habe. Aber seit mein Junge krabbelt, gibt es enorme Abhaltestreiks; mal obwohl er muss und gleich danach daneben macht, mal weil er nicht muss. Er will auch vorwiegend seit rund 2 Monaten nur noch auf die Erwachsenenklos, was sich aber ganz gut macht, wenn das Kind rücklings auf der Brille sitzt und der Po vorne aufsitzt.

Nutzt Du auch andere Backups?
Ich habe einen Wollwindellatz von Moko umgeändert, sodass er weicher und verstellbar im Bund ist und mir einen aus Schurwolle selbst gestrickt. Diesen Latz klappt man vorne nur hoch und steckt ihn unter den Bund. Dahinein lege ich OP-Tücher aus dem KKH. Die sind kleiner als Windeln und sehr saugfähig. Mittlerweile klebe ich unterwegs auch Damenbinden XL rein und nachts oder auf Reisen benutzen wir WWW. Als er kleiner war, konnte ich ihn nachts abhalten, aber seit er paar Monate alt ist, reißt ihn das nächtliche Wickeln oder Abhalten so aus dem Schlaf, dass er sehr weint und sich auch nicht auf’s Töpfchen setzen will.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Da mein Kind die sehr empfindliche Haut von mir geerbt hat, hatte er etwas Probleme mit juckendem Ausschlag in den Beinfalten im Schritt und am Säckchen, sodass ich sehr darauf bedacht war, ihn immer trocken zu halten. Aber ansonsten war die Haut 1A. Schlechter wird die Haut definitiv in WWW schon nach kurzer Zeit.

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
nach dem Aufwachen – immer
beim Stillen – nie, auch am Anfang nicht, selbst nackt als Neugeborenes hat er immer erst zwischen dem Stillen beim Abhalten oder danach gepullert, ganz selten mich angepullert
nach dem Stillen – immer nach unterschiedlich langen Abständen
nach dem Spielen – nein, das Spielen hört ja nie auf
Andere: nach dem Essen und immer, wenn ich denke, jetzt ist es mal wieder Zeit oder er unruhig ist oder jammert. Obwohl beim Jammern eigentlich immer schon Pipi in der Hose ist, weil ich zu spät reagiert habe. Leider habe ich so gut wie nie irgendwelche Signale deuten können, mache es also fast komplett intuitiv.

Wann klappt es am besten?
Nach dem Aufwachen morgens und wenn er schon Drückgeräusche macht, um sein Bedürfnis anzukündigen.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Bis zu 5 Minuten manchmal, ganz unterschiedlich. Ich kann ihm auch erklären, dass er warten muss oder das Abhalten gerade nicht möglich ist. Er scheint das zu verstehen.

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Zuerst Eimer und Schüsseln wegen des schwierigen Zielens bei Jungen, dann diverse schlecht funktionierende Töpfchen, den Asia-Topf für unterwegs, Baby-Björn-Topf als einzig tauglichen weiteren Topf, seit paar Monaten Kindersitz auf großem Klo und großes Klo ohne alles sowie die freie Natur oder den Straßenrand.

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein: eher mehr Arbeit – eher weniger Arbeit – genauso viel Arbeit wie beim Wickeln?
Da mein Kind sehr häufig pullert – bis zu alle 5-15 Minuten zu manchen Tageszeiten – finde ich den Mehraufwand enorm, zumal es neuerdings fast immer Theater beim An- und Ausziehen und beim Abhalten gibt. Da ist mal so ein Tag mit WWW dazwischen die pure Erholung… Auch ist das Nähen und Ändern der Kleidung eine Zeitfrage.

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Trotz des Mehraufwandes sehe ich den positiven Effekt und ich sage mir, ich bin ja dazu da, mich um mein Baby zu kümmern, also auch um es von Pipi und Kacka zu befreien. Und es wird dafür in wenigen Monaten komplett trocken sein und ich muss ihm nicht erst beibringen, was es machen soll. Ich bin mir ganz sicher, dass er, sobald er sich etwas besser verständigen kann, uns ganz genau sagen wird, wenn er muss, sodass mir auf lange Sicht viel Geld und Zeit in den nächsten Jahren erspart wird. Ich kann mir nicht vorstellen, es anders zu machen und bedauere die Babys manchmal, die stundenlang in der selben WWW stecken.

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Zum Glück habe ich in Foren von Abhaltestreiks gelesen und bin dadurch beruhigt worden. Lasst euch nicht beirren, wenn selbst gutmeinende Freunde oder Verwandte alles skeptisch sehen und vermuten, dass das Abhalten für das Kind doch nur Stress sei (angeblich an den Streiks zu erkennen) oder wenn sogar die Hebamme nach Monaten noch behauptet, das Kind mache nur wegen des Temperaturunterschiedes auf der Haut. Ansonsten macht es große Freude, das Kind infolge seines eigenen Signalisierens oder/und des Schlüssellautes pullern und kackern zu sehen!

Vielen lieben Dank für Deinen Bericht!

Windelfrei-Mamas in Heilbronn gesucht!

Endlich wieder ein Windelfrei-Erfahrungsbericht für unsere Serie!

Dieser kommt von Claudia mit ihren Erfahrungen aus den ersten Lebenswochen ihres Kindes:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Ich habe ein Prospekt bei der Hebamme gelesen, das hat mich neugierig gemacht und ich habe mich eingelesen.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
4 Tage

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
5 Stoffwindeln und es ist 7 Wochen alt.

Nutzt Du auch andere Backups?
Noch nicht, will mir aber welche zulegen, denn wir machen Windelfrei nur nachts.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Nein.

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
Nach dem Aufwachen, nach dem Stillen, nach dem Tragen im Tuch und nachts wenn sie mich weckt… und ich nicht wieder einschlafe.

Wann klappt es am besten?
Nachts und nach dem Aufwachen und nach dem Tragen im Tuch.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
2-3 min.

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Eine alte Backschüssel

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein: eher mehr Arbeit – eher weniger Arbeit – genauso viel Arbeit wie beim Wickeln?
Momentan geht es, da ich sonst zum Wickeln aufstehen müsste.. so kann ich liegen bleiben.. bzw. muss das Bett nicht verlassen..
Tagsüber wäre es mehr. Ich müsste, wenn sie wach ist ständigt schauen. Leider ist es noch zu kalt, um sie einfach nackig hinzulegen und zu schauen, was passiert. Ich würde das gerne machen… muss noch warten.

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Ja, ich sehe, wenn sie muss, und ich grad nicht kann oder es einfach nicht geht. Und auch so haben wir eine tolle Bindung.

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Ich suche selbst Windelfrei-Mamis im Raum Heilbronn. Gibt es da jemanden? Bitte melden.

Aber ansonsten… nicht verzagen, es gibt gute und schlechte Tage. Ich finde es toll und ich glaube dem Baby gefällt es auch.

Herzlichen Dank!

Hebammen für Windelfrei

Nicht nur Eltern entdecken immer mehr Windelfrei für ihre Kleinsten, sondern auch die Familienbegleiterinnen der ersten Stunde: die Hebammen.

Zum einen sehen dieses es mehr und mehr, dass es bei verschiedensten Familien funktioniert, zum anderen gibt es auch persönliche Erfahrungen mit Windelfrei. Wie zum Beispiel von der Hebamme Anja Von guten Eltern:

Das Windelfrei-Ding

Hier beschreibt sie ihren persönlichen Weg mit ihrem Jüngsten einfach herrlich undogmatisch.

Die bekannte Stillberaterin und Hebamme aus Hamburg, Regine Gresens, hat erfreulicherweise auch eine Meinung zu Windelfrei:

Ich digitalisiere gerade die alten Videos von meinem Babysohn, der nun mittlerweile aber schon 20 ist. Von Windelfrei wusste ich damals leider noch nichts…
Wir haben ihn mit Stoffwindeln gewickelt, aber heute würde ich es ganz sicher (ganz) ohne Windeln probieren. Tja, da bin ich wirklich etwas neidisch auf Euch alle, die Ihr heute ein Baby habt und solche tollen Anregungen bekommt. Ich finde diesen Umgang so natürlich und überzeugend und hoffe, dass heutzutage viele Eltern übers Internet davon erfahren und es einfach mit ihrem Baby ausprobieren. Es spart ja nicht nur Kosten, sondern fördert auch vor allem das Feingefühl und die Kommunikation mit dem Baby.

Lies auch hier: Windelfrei – trocken werden ohne Windeln – Hebamme Jana vom Hebammenblog