Was kann ich tun, wenn ich das Gefühl habe, dass ich gleich platze? Meine Notfallliste.

 

 

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Foto: Nicola Schmidt

Was tue ich, wenn ich kurz davor bin, die Contenance zu verlieren?

Schritt Nr. 1: Ich übe Achtsamkeit in ruhigen Momenten. Niemand startet einen Marathon ohne zu trainieren und wundert sich dann, dass er nicht durchhält. Wir müssen vorher üben, damit wir es später abrufen können.

Schritt Nr. 2: Ich denke daran, dass für ein Gehirn eine eingebildete Notfallsituation genauso echt ist wie eine echte. Die Kinder kippen das Glas um, das Baby schreit, die Türklingel geht? Fühlt sich für das Gehirn wie eine absolute Notisituation an, obwohl es de facto keine ist (auch wenn es eine stressige, unangenehme, nervige Situation ist).

Schritt Nr. 3: Ich fühle meine Füße. Klingt komisch, oder? Aber das Gehirn kann nicht gleichzeitig eine Stressreaktion abfahren und die Körperwahrnehmung einschalten. Wir tricksen das System aus. Das geht auch mit Kopfrechnen, das Geschehene aufschreiben – alles Techniken, die die Stressreaktion unterbrechen.

Schritt Nr. 4: Ich falle meinem/r PartnerIn in den Arm, rufe eine Freundin an, klingel bei meiner Nachbarin. Unterstützung wirkt Wunder!

Schritt Nr. 5: Ich bin nachsichtig mit mir, wenn es nicht klappt.

Und starte wieder bei Nr.1  :).

Neue Wege sehen … neue Dinge sehen

Hagebutten, Fotografin: Nicola Schmidt
Hagebutten, Fotografin: Nicola Schmidt

Manchmal sehe ich den Weg einfach nicht. Alles scheint dicht, ich komme nicht weiter, ich blicke von meinem imaginären Hügel auf den Wald des Lebens hinunter und denke: WIE SOLL ICH DA DURCH KOMMEN?

Heute im Wald mit meinem Kindern stellte ich fest, dass der Wald mich gelehrt hat, wie ich damit umgehe. Denn manchmal ist es gut, einen Schritt zurück zu treten, um das Ganze zu sehen. Aber wenn ich dann meinen Weg hindurch suche, brauche ich eine andere Taktik. Dann muss ich näher herangehen. Im Wald ist es so oft so – wie sollen wir durch dieses Dickicht kommen? Wo soll ein Weg durch die Riesenpfütze da hinten sein? Über die Brache mit den vielen Grünzeug kommen wir doch nie?

Doch, wir kommen. Und wir müssen ganz nah rangehen, um es zu sehen. Es gibt immer einen Weg, einen Durchlass, eine lichte Stelle. Aber ich sehe sie oft erst, wenn ich

  1. ganz nah herangegangen bin
  2. eine Weile in Ruhe ohne Absicht hingeschaut habe

Das habe ich im Wald – und im Leben – noch öfter. Wie oft sage ich: Lass uns dies oder jenes suchen und dann stehen wir vor der Stelle und das ist – nichts. Aber wenn ich eine Weile scheinbar ziellos (also nicht fixiert auf einen Punkt) auf diese Stelle schaue, dann sehe ich es plötzlich: Die Marienkäfer, die Weihnachtsdekotannenzapfen, die Ameisen, die you – name-it.

Und im Leben mache ich es genau so: Wenn eine Aufgabe einfach nicht zu bewältigen scheint, zu groß, kein Durchgang – dann gehe ich ganz nah heran. Ich nähere mich ihr so weit wie ich nur kann. Und dann tun sich plötzlich die Wege auf. Stück für Stück. Wenn ich nicht mehr sehe, was ich suche, dann höre ich auf zu suchen. Ich schaue absichtslos in die Welt, in mich, in meine Mitmenschen, in meinen Alltag, auf meine ToDo-Liste. Und dann kommt plötzlich alles, was ich hatte – oft direkt vor meinen Füßen.

Kennt ihr das? Es gibt bestimmt noch 100 andere Wege – welche habt ihr gefunden?

<3 Eure Nicola

Dem Leben vertrauen – den Kindern vertrauen

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An manchen Tagen fühlt sich ein Herz so an, als ginge die Welt unter. Die Welt meines Kindes. Meiner Kinder. Dann fällt es mir manchmal schwer, dem Leben zu vertrauen, dass alles gut wird. Vor allem, weil ich oft gar nicht so genau erfahre, was GENAU passier ist.

Heute kam der Große völlig verzweifelt aus der Schule. Es schien nicht das übliche „Du bist nicht mehr mein Freund!“-Thema zu sein. Es saß tiefer, die Verzweiflung war groß, das Kind war todunglücklich. Ich hörte zu, tröstete, verstand, tat alles, was Daniel Siegel auch getan hätte, aber es halfnichts. Wut und Traurigkeit erfüllten mein Kind und nach dem Mittagessen verzog er sich in sein Zimmer und verkroch sich mit Lucky Luke in sein Bett.

Ich saß gerade vor dem Haus mit einem Kaffee und überlegte, was jetzt zu tun sei, ob ich überhaupt etwas tun könne und was das sein könnte, was ich falsch gemacht habe oder ob das eine „Phase“ ist, als jemand kam.

Ein Nachbarsjunge. Der, mit dem der große Streit war, der, für den das Herz meines Kindes gerade so schlug, dass ihm der Streit eine tiefe Wunde geschlagen hatte.

Der Junge legt Ohne Titelsein Rad hin, den Fußball daneben und sagte: „Ich bin gekommen, um mich zu vertragen. Ist… da?“

Ich hätte weinen mögen vor Glück. „Ja klar! Wow. Danke, dass du gekommen bist.“ – es fiel mir schwer, ihm nicht um den Hals zu fallen (Mütter können ja sooo peinlich sein!). Ich nahm ihm mit rein – „klar, lass die Schuhe an“ – und klopfte an die verschlossene Zimmertür. „Du hast Besuch.“ Mißmutig schaute mein Kind auf: „Wer?“ „Schau selbst“, sagte ich nur, machte die Tür weiter auf, der Junge kam herein, sagte nochmal seinen Satz, sie gaben sich die Hand – und spielten den Rest des nachmittags Carrera-Bahn.

Wie wir im Wald Computer spielen

 

Nasser Tag
Nasser Tag

Kennt ihr das – an manchen Tagen geht einfach nichts zusammen. Ich will laufen, das Kind langweilt sich – was tun? Unsere neue Idee: Wir spielen im Wald Computer! Das geht so:

Vorneweg: Die Leute glauben ja immer, wir hier bei artgerecht seien total fundamentalistisch, mega-öko und total korrekt – aber die, die uns kennen lernen, stellen immer erstaunt fest, dass es überhaupt nicht so ist. Auch meine Kinder essen mal Nutella und spielen Lego Ninjago auf dem Mobiltelefon. Andererseits finden wir halt manchmal auch echt lustige Wege, um das eine (Zivilisation) mit dem anderen (Wildnis) zu verbinden.

Heute war so ein Tag, an dem alles zusammen kommt. Ich war morgens nicht laufen gewesen, weil die Buchhaltung keinen Aufschub duldete *seufz*, die Kleine zog es nachmittags vor, in ihrem heiß geliebten Kindergarten zu bleiben *freude* und der Große hatte keine Lust, durchs Dorf zu kurven und laaaaangweilte sich. „Komm mit, wir gehen in den Wald – Du auf dem Fahrrad, ich in den Laufschuhen“, schlug ich vor. Und zu meiner Begeisterung schlug er ein.

Im Wald wurde es dann aber doch mal langweilig für ihn. Wenn ich laufe, bin ich nicht sehr gesprächig (wegen Flow und so) und irgendwie war ich nicht schnell genug, als dass es seine ganze Aufmerksamkeit gekostet hätte (hey, in meinem Alter!).

Da hatten wir eine Idee: Wir spielen Computer! Das ging so:

NaturbildIch war seine Lego-Ninjago-Figur und er musste mich leiten. Bei jeder Pfütze (die gibts derzeit reichlich) rief er „spring!“  bei jedem Ast „ducken“ und so weiter. Wenn ich gegen den Ast lief, war ich tot ;), wenn ich in die Pfütze lief, verlor ich ein Herz. So legten wir eine beachtliche Strecke zurück, ich musste nicht reden, er hatte total Spass an diesem Erwachsene-dirigieren-Spiel und das einzige Problem war, dass wir manchmal so lachen mussten, dass ich kaum weiterlaufen konnte.

Auf dem kurzen Asphaltweg nach Hause musste ich über Pferdeäpfel, Hundehinterlassenschaften und Kaugummis springen – Super Workout :).

Yeah. Wald rockt. Zivilisation rockt. Leben mit Kindern rockt! <3

Montags-Mantra: „Motz mich an!“

2015-11-12 16.39.34Eine Mutter- und Tochter-Geschichte. Sie geht so: Die wunderbarsten Mütter erzählen mir, dass ihre Kinder sie anmotzen. Und zwar nur sie. Zu allen anderen sind diese Kinder zuckersüß, aber Mama kriegt das „Och nöööö“ oder „Ey, Maaaaaannn“ zu hören – und zwar in einem Ton, den keine dieser Mütter je ihren Kindern gegenüber anschlagen würde.

(Väter reagieren auf diese Geschichten übrigens oft damit, sich zu brüsten, dass die Kinder sich das ihnen gegenüber nie herausnehmen würden und die Mutter sich eben mehr durchsetzen/konsequenter sein/ freundlicher sprechen/ weniger meckern/ mehr joggen – you name it – müssten.)

Ich sage schon länger, dass das  Motzen der Kinder gegenüber Mama nichts mit schlechter Erziehung zu tun hat. Sondern mit Vertrauen (Sieh: „Sei froh, wenn das Kind schreit“). Was nicht heißt, dass wir uns umkommentiert anmotzen lassen, aber ich finde es wichtig zu wissen, dass wir keinen „Fehler“ gemacht haben.

Jetzt hat mein eigenes Kind das Phänomen besser erklärt, als ich es je könnte und ich werde es daher zu meinem neuen Mantra machen.

Situation: Wir kommen von draußen, kurz vor dem Abendessen. Die Kinder eumeln herum und es ist klar: Ohne freundlichen Hinweis passiert hier nix. Ich: „Würdest Du dir bitte schonmal die Hände waschen gehen, ich decke solange den Tisch.“ Sie: „Oh Mann Mama, du NERVST!“

Ich war spontan sauer. RICHTIG sauer. Nachdem ich mich – auf einem Gang ums Haus – beruhigt hatte, berief ich eine Familienkonferenz ein. Ich fragte: „Kannst du sagen, warum du so geantwortet hast?“ Und was mich brennend interessierte: „Bist du eigentlich zu anderen auch so?“
Und das wunderbare Kind sagte: „Nein, zu anderen bin ich nie so! Bei denen traue ich mich das nicht, die meckern so dolle! Das traue ich mich nur bei Dir…“ „Und warum musst du überhaupt so unfreundlich sein?“ „Manchmal ist mir einfach danach. Und wo soll ich das denn sonst machen, wenn mir danach ist? Das geht doch nur bei Mama!“

Peng. Das saß. Klar. Das geht nur bei mir. Bei mir ist sie ja sicher. Und was raus muss, muss raus. Wir haben dann gemeinsam beschlossen – mit Hilfe des großen Bruders – dass wir immer dann, wenn sie in „Motz-Stimmung“ ist, ein Spiel daraus machen und sie 10 Minuten alle anmotzen darf (da ich sowas oft vergesse, wird mich der Große dran erinnern).

Ich habe also ein neues Mantra: „Motz mich an!“  Ich habe ihr dann dennoch erklärt, dass mich das manchmal auch verletzt und dass ich nicht immer in der Lage bin, cool zu reagieren.  Wir haben daher ein Zeichen vereinbart, wenn ich es gerade nicht abkann: „Stop.“ Dann weiß sie, dass ich gerade nicht in Prellbock-Stimmung bin.

Bin gespannt, wie das klappt – aber schon jetzt dankbar für diese neue Erkenntnis durch meine wunderbaren, vertrauensvollen, im Grunde ihres Herzens nämlich sehr freundlichen Kinder 🙂 <3.

 

„Artgerecht goes Vitamix!“

Artgerecht heißt auch: Sich gesund ernähren und Wildkräuter mit auf den Speiseplan nehmen. Aber wer von uns isst schon täglich seine Hand voll Löwenzahn?

20160616_095448Wir sind sehr glücklich, jetzt eine Kooperation mit Vitamix geschlossen zu haben! Ab sofort steht für die Camps und alle Kurse im Raum Köln/Bonn sowie das Büro ein Vitamix Professional Series 750 zur Verfügung, der aus jedem Wildkraut im Handumdrehen einen leckeren grünen Smoothie zaubert! Unser neuer Zuwachs hat sich auch schon bestens bewährt!

Ich liebe ja Zahlen und hier sind sie: Mit seinem 2,2 PS-Motor erreicht der Professional Series 750 eine Drehgeschwindigkeit von bis zu 434 km/h – traumhaft. Außerdem hat er 5 Programme, mit denen auch so ein ungeübter Mensch wie ich Smoothies, Pürees, Eis oder Suppen machen kann. Ich werde jetzt ein wenig üben bis zu den Camps und dann ran an den Löwenzahn!

Vitamix_WerbungMeine ersten Versuche waren sofort grüne Smoothies: 1 Birne, 1 Kiwi, 1 Limette, Löwenzahn (etwa eine Hand voll) und Zitronenmelisse (etwa eine Hand voll), wer mag ein wenig Giersch und Ingwer (ca. 1 cm) dazu – und rein in den Vitamix. Es wurde total cremig und schmeckte wie eine Herrlich-grüne-gesunde-Göttlichkeit – danke an Vitamix!

 

Montags-Mantra: Ist es not-wendig?

STEINHERZOft streiten wir um Nichtigkeiten. Mit anderen, mit den Kindern. Aber wie erkennen wir das? Meine Mama hat mir dafür ein perfektes Mantra beigebracht – für alle Situationen von der Erziehung bis zur Atlantik—Überquerung.

 

Frische Unterhose anziehen! Haare kämmen! Hausaufgaben machen! Nein, mit DEM Pulli gehst du nicht zum Schulgottesdienst! 

Lange war ich der Ansicht, dass bestimmte Dinge unverrückbar wichtig seien.

Und oft waren die Kinder völlig anderer Meinung. Doch, GENAU DER Pulli. Und dann stritten wir.

Wenn meine Mama in der Nähe war, hielt sie mich in meiner “Es muss aber”-ei kurz an, schaute mich liebevoll an und fragte ernst: “Nicola, ist das notwendig? Sprich: Wendet es eine Not, welchen Pulli das Kind heute trägt?”

Ich gebe zu: In 99% der Fälle diskutierte ich über Dinge, die keine “Not wendeten”. Für mich schien es in diesem Moment lebenswichtig. Manchmal wurden die banalsten Dinge so wichtig, als gäbe es kein Morgen. Ich führte mich auf, als würden wir auf hoher See darüber diskutieren, ob wir zuerst Kuchen essen oder zuerst das 2m große Leck im Vorschiff reparieren. Dabei ging es nur um den blöden Pulli. Oder die frischen Socken.

Wenn ihr das nächste Mal auf etwas besteht und es zu Streit kommt, fragt euch: Ist es not-wendig? Wendet es eine Not? Geht die Welt jetzt unter, wenn die verknatzte Vierjährige ihren Teller nicht in die Spülmaschine räumt oder darf jeder mal einen schlechten Tag haben und wir sind einfach mal ein Vorbild in Nachsicht und Güte (Studien zeigen: Nachsichtige Mütter haben sozial kompetentere Kinder).

Wendet es eine Not, was ich gerade verlange oder bin ich einfach nur dem – sehr deutschen – Erziehungsirrtum erlegen, dass alles, was wir einmal “durchgehen” lassen, all unsere Bemühungen komplett versaut? Und dann entscheidet von dieser Warte aus.

Das heißt nicht, dass wir immer den Tisch alleine abräumen. Und dass hier nie einer frische Socken anhat. Aber es heißt, dass wir unsere Anforderungen auch der Tagesform unserer Kinder anpassen dürfen: Gute Tagesform – frische Socken; schlechte Tagesform – zieh von mir aus halt die Liebingssocken von gestern nochmal an.

Außer natürlich, wenn wir mitten auf dem Atlantik sind. Dann flicken wir zuerst das Leck!

Babys schreien lassen? Warum die Australien-Studie lügt

Babys niemals alleine schreien lassen! Das dürfte klar sein. Aber warum? Wenn doch die gerade viel diskutierte Studie „Behavioral Interventions for Infant Sleep Problems: A Randomized Controlled Trial von Michael GradisarKate Jackson et al“ zeigt, dass es keine negativen Effekte hat?

13221705_1010025792384077_7529947437792757133_nSchauen wir uns an, was die Australien-Studie WIRKLICH zeigt:

Das macht aus meiner Sicht auch total Sinn: Denn das aktivierte Stress-Überlebenssystem der Babys führt ja nicht dazu, dass ein konstant hoher Cortisol-Level besteht (das sehen wir von Kindern in Betreuung), sondern dass das Stress-System reaktiver ist – es „springt also viel schneller an“, wenn sie größer sind. Der Effekt sind Ängstlichkeit, Aggression, Verhaltensstörungen – weil das Gehirn sich immer auf eine Not-Situation vorbereitet und die impliziten Erinnerungen immer wieder wachruft, ohne dass es dem Erwachsenen bewusst wird (vgl. Daniel Siegel, „Achtsame Kommunikation mit Kindern“).

Es gibt außerdem Studien, die zeigen, dass der durch Vernachlässigung stattfindende Cortisol-Veränderung wieder regulierbar ist, wenn die Kinder sonst eine liebevolle Umgebung haben. Wenn wir also davon ausgehen, dass Eltern, die ihre Kinder nachts dieser Tortur aussetzen, diese möglicherweise tagsüber mehr beachten, könnte dies als Regulativ wirken.

Mein Stress und meine Laune hängen nicht nur vom Schlafrhythmus des Babys ab – auch wenn viele Eltern sich total drauf fokussieren und glauben, wenn es nur endlich schläft, wird alles gut! Aber es gibt Unmengen von Studien, die zeigen, dass Menschen ein relativ konstantes persönliches Lebens-Glücksgefühl haben (vgl. Werner Bartens, „Glücksmedizin“). Was auch immer passiert, wir neigen dazu, wieder auf dieses Level zurückzufallen. Wenn ich glaube, dass Ferbern mein Lebensglück verbessert, weil ich dann besser schlafen kann – Fehlanzeige.

  • 3. Die Studie zeigt: Wer sein Kind schreien lässt, dessen Baby schläft besser durch. Auch das wissen wir schon. James McKenna geht davon aus, dass diese Babys tiefer schlafen und damit ein höheres Risiko für den plötzlichen Kindstot haben. Es ist also fraglich, ob dies wirklich eine Verbesserung ist.

Linda Folgen Palmer schrieb mir gestern in einer Mail: „Vielleicht kann man die kurzfristigen Hormonveränderungen dieser gequälten Babys nicht messen – aber ich persönlich habe meine Babys lieber lebendig!“

  • 4. Die Studie zeigt, dass nach 12 Monaten nach der Intervention die Kinder in allen drei untersuchten Gruppen gleich häufig sicher/unsicher gebunden sind. FAST gleich häufig. Bei den Säuglingen, die man hat schreien lassen, gibt es einen leichten Anstieg der unsicheren Bindung, aber nach Aussage der Wissenschaftler ist das vernachlässigbar. Vielleicht. Bei einer Gruppe von 43 Säuglingen sind mit je 14/15 Säuglingen pro Gruppe sind das 13 % der einzelnen Gruppe. Hm.

Gemessen wurde es mit dem Fremde-Situation-Test, wie der funktioniert, könnt ihr hier nachlesen. Es gibt eine Menge Kritik an diesem Test und mittlerweile auch Forscher, die sagen, dass Bindung nicht statisch, sondern dynamisch ist. Insofern wäre interessant, wie sich die Kinder im Laufe ihres Lebens entwickeln.

Ist Schreien sinnvoll? Nein. Die Eltern schaden ihrem Baby – und sich selbst!

Wir wissen, dass Babys, die man schreien lässt, tagsüber mehr schreien als Babys, auf die sofort reagiert wird – mehr Stress für die Eltern. Wir wissen, dass Babys ein erhöhtes Risiko für „erlernte Hilflosigkeit“ haben – das erschwert später die Entwicklung – mehr Stress für die Eltern. Wir wissen, dass die Kinder unglaublich viel Energie verlieren, wenn sie so weinen und diesem Stress ausgesetzt sind – das belastet ihr Immunsystem, sie werden öfter krank – mehr Stress für die Eltern.

Ist Schreien lassen artgerecht?

Evolutionsbiologisch wäre es viel zu gefährlich gewesen ein so wertvolles Wesen wie ein Lebendgeborenes, in das man schon sechs Monate Muttermilch (und damit tausende wertvolle Kalorien) investiert hat, einer solchen Tortur auszusetzen. Ein nachts schreiendes Baby würde Tiere anziehen und es wäre keine Option, es alleine liegen zu lassen – das wäre ein Todesurteil (deshalb schreien sie ja). Wir wissen, dass Eltern in den zivilisierten, westlichen Ländern das nächtliche Aufwachen der Babys als dramatischsten empfinden.

Wie schlafen Babys? Auszug aus dem Artgerecht-Babybuch:
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Es gibt nicht den Menschenschlaf. Das Konzept, acht Stunden durchzuschlafen und den Rest des Tages zu arbeiten, ist weder natürlich noch normal. Diese klare Trennung zwischen Tag und Nacht ist etwas, was wir uns ausgedacht haben, weil es gut in unsere Gesellschaft passt.

»Aufgeweckt werden« und »gut schlafen« sind Konstrukte. Kulturübergreifende Beobachtungen zeigen: In westlichen Kulturen ist die Idee vom »Durchschlafen« weiter verbreitet als in allen anderen. Hier wird auch das Wecken durch das Kind am dramatischsten empfunden. In anderen Kulturen ist das schon deshalb nicht so schlimm, weil man Schlaf ja jederzeit »nachholen« kann.

 Unsere Tage sind – durch das nicht artgerechte Leben – oft so strukturiert, dass eine Mutter nur schlafen kann, wenn ihr Baby schläft, weil sie wenig bis keine Unterstützung hat. Wenn sie zudem noch zu den Menschen gehört, die tagsüber nicht schlafen können oder »dürfen«, dann wird Nachtschlaf plötzlich zu einer unverhältnismäßig relevanten Größe.13138990_1002876663098990_4951407546667097805_n

Wenn das Baby nicht schläft, »schaffe ich den Haushalt nicht, habe ich keine Zeit für mich, haben wir keine Zeit als Eltern, kann ich nichts für mich tun, kann ich nicht duschen …«. Vieles von dem, was wir ohne Baby machen wollen oder müssen, muss anfangs während der eigentlich vorgesehenen Schlafenszeit passieren. Schläft das Baby nicht so, wie wir es geplant haben, steigt schnell der Frust. Aber dafür können die Babys nichts. Sie schlafen so, wie sie es seit Jahrtausenden tun.

 

Daher: Holen Sie sich auf jeden Fall Hilfe. Zeichnet sich ab, dass sie unterschlafen sind, gehen Sie Ein- und Durchschlafen als langfristiges Projekt an, und beginnen Sie damit lange bevor sie nur noch die Notbremse ziehen können.

Morgenstress statt Kindheit?

Als ich auf Facebook letztens die Frage stellte, was euch als Familien stresst, kam immer wieder eine Antwort: Morgens die Zeitnot. Heute Morgen, an einem verregneten Samstag im April, wird mir total bewusst, wie krass das eigentlich ist. Schon die ganz Kleinen müssen ja oft morgens zu einem bestimmten Zeitpunkt im Kindergarten sein, spätestens ab Schulalter haben die meisten Familien dann wirklich keinen Puffer mehr, sondern alle müssen um X Uhr los, sonst „schaffen wir es nicht“. Wie ihr ja wisst, habe ich einen durchaus anspruchsvollen Job, aber dafür kann ich die meiste Zeit von zu Hause aus arbeiten.

Bei uns ist die Situation also – wie mir heute morgen klar wird – noch verrückter: Die Kinder – oder zumindest der Große – müssen morgens zu einer bestimmten Zeit irgendwo sein, ich – die Erwachsene – aber nicht!

Füße auf die ErdeHeute sind die Kinder bei ihrem Papa und ich habe mal ganz bewusst gemacht, wozu ich morgens Lust hatte. Die Liste: Aufstehen, Yoga machen, duschen, Kaffee kochen. Dann ging ich getreu Julias wunderbaren Kalender-Mantra „Füße auf die Erde“ mit nackten Füßen in den Vorgarten, stand da rum und beobachtete schweigend und kaffeetrinkend die Morgenvögel.

Ich finde: Das ist nicht fair. ICH kann das theoretisch jeden Morgen machen (naja, außer wenn ich um 4 raus muss, weil morgens Termine am Ende der Welt sind, okay), aber meine Kinder nicht? Meine kleinen Kinder, die gerade erst auf dieser Welt angekommen sind, haben ein so straffes Pensum, straffer als meines, die ich schon so lange hier rumkurve?

Da läuft doch schon wieder etwas total falsch. Das ist zu schnell. Das ist zuviel Druck. Es ist kein Wunder, dass es bei vielen Familien morgens so stressig ist.

Wie ist das bei euch? Habt ihr einen Ausweg aus dem Morgenstress gefunden? Wie können wir dem entrinnen? Wann starten wir eine Petition, dass Schüler schon in der Grundschule Gleitzeit kriegen, nicht erst im Gymnasium? Und überhaupt…ich bin froh, dass Julia und ich gerade ein Buch über Entschleunigung schreiben. Teilt eure Ideen gegen Morgenstress mit uns, wir nehmen das auf.

Samstagmorgenvogelzwitscherkaffee-Gruss,

Eure Nic

 

Bald bei Beltz – unser Buch zum gemütlichen Familienleben 🙂 <3csm_9783407864260_d6d5961854

Montags-Mantra: Good enough is the new perfect

Ich will perfekt sein. Viele Eltern um mich herum wollen perfekt sein. Oder haben Angst, dass die Kinder kaputt gehen, wenn wir auch nur den geringsten Fehler machen. Ich kenne das. Als meine Kinder noch Babys waren, wurde ich wahnsinnig bei dem Gedanken, irgendetwas könnte nicht so sein, wie sie es für ihre wichtige, zarte, noch so empfindliche Entwicklung brauchten.

Sie waren so rein, so unschuldig, so zerbrechlich – ich wollte alles, alles von ihnen fernhalten, was falsch hätte sein können.

Im Laufe der Zeit musste ich einsehen: Perfekt geht nicht. Das war hart. Aber dann erkannte ic
h: Perfekt muss nicht sein! Ganz und gar nicht! Und je älter Kinder werden, desto robuster werden sie! Wenn mein Baby keine 30 Sekunden warten konnte, wenn es Hunger hatte (und nicht musste), kann mein Kleinkind schonmal eine Weile aushalten und mein Schulkind sagt sogar nonchalant: „Ach Mama, ja, ich hab Hunger, aber es ist jetzt auch nicht sooooo dringend.“

Cool.Gut genug

Letztens hatte ich eine besorgte Mama in der Beratung, die sich beim zweiten Kind große Sorgen machte, weil sie für das Baby einfach nicht so kompromisslos da sein konnte wie für das erste. Irgendwann kamen wir darauf, dass es wohl immer so gewesen ist und vielleicht auch Herausforderungen mit sich bringt, an denen alle wachsen können. „Ausreichend ist genug“, war unser Fazit, „sozusagen 4+  – das ist prima als Mutter und als Mensch.“ Wir tun, was wir können, und wir sollten ausreichend für die Kinder da sein, aber wenn es nicht perfekt ist – das macht nichts. Sie können sich trotzdem gesund entwickeln.

Ich bin nicht immer da. Ich bin nicht immer die Geduld in Person. Ich bin nicht immer pünktlich, aufmerksam, achtsam und klug. Aber ich bin es offenbar ausreichend oft. Denn die Kinder entwickeln sich prima. Und ich stelle fest: ausreichend reicht.

Und es ist vielleicht sogar für alle besser: Wenn ich mich nämlich ständig mit Perfektionismus, Ich-muss-noch-besser-sein und Schuldgefühlen stresse, bis ich erst recht keine gute Mutter mehr und kein gutes Vorbild. Meine Kinder sollen lernen, dass man auch Fehler machen und un-perfekt sein darf. Dass man an sich arbeitet, strauchelt, fällt, wieder aufsteht, nachsichtig mit sich ist, weitermacht.

Das heißt für mich nicht, dass ich mich darauf ausruhe: „Ich meckere nunmal jeden Morgen, da müsst ihr durch!“ „Ich sehe nunmal nicht, wann das Baby muss, dann hat es halt einen wunden Po!“ . Das passt für mich nicht. Ich sehe das eher so: Ich mache Fehler. Ich sehe sie. Ich arbeite an ihnen. Ich versuche jeden Tag, es ein bisschen besser zu machen. Und wenn es heute nicht klappt, wenn ich schon wieder 25 Pipis verpasst, den mittleren zu spät ins Bett gebracht und beim Großen ungeduldig bei den Hausaufgaben gewesen bin – nun denn, dann sage ich – vor allem zu meinem großen Kind –  „Tut mir leid“ und versuche ich es morgen einfach noch einmal.

<3